Zuweilen wird der durch den Bagger zu Tage geförderte Schlamm, Mud, Mudder oder Schlick (s. d.) auch Bagger genannt. Das mag man als Abkürzung von Baggerschlamm (Groningen: bagger-cerde, bagger-modder) oder Bagger-Erde gelten lassen, wie ja im Ostfriesischen auch der baggel-turf kurzweg baggel heißt, aber darum hätten sich deutsche Sprachforscher doch nicht zu der Behauptung versteigen dürfen, Bagger käme daher, daß man den Bagger vom Meeresgrund herausbefördere. Das ist eine völlige Umkehrung der Tatsache, denn die geförderte Masse ist nach dem fördernden Werkzeug benannt. Das hieß, wie gesagt, ursprünglich Bag. Die damit ausgeübte Tätigkeit hieß baggern. Als nun später der Ursprung von baggern aus Bag dem Bewußtsein entschwunden war, und der niederdeutsche Name Bag nicht verstanden ward von hochdeutschen Wasserbaumeistern, aber doch das Bedürfnis nach einem Namen für das inzwischen zur Maschine herangewachsene Werkzeug sich einstellte, so kehrte man nicht etwa zu dem ursprünglichen Bag zurück, sondern bildete aus dem, aus dem Substantivum Bag entstandenen Zeitwort baggern ein neues Substantivum Bagger. Diese Neubildung ist wenigstens noch einigermaßen kurz und gut ausgefallen; was hätte werden können, vermögen wir zu ahnen, wenn wir lesen, daß in einer wissenschaftlichen Zeitschrift jemand dem das Wort Bagger fern lag, den Vorschlag machen konnte, das holländische Wort modder-molen mit Ausschlammungsmaschine zu übersetzen. — Das Etymon von Bag ist Balg, Tierbalg, vergl. Balje, Bagienrahe, Bilge, Packetdampfer.

Bagienrahe, die. Die unterste Rahe am Kreuzmast, ohne Segel. Dieser letztere Umstand, daß die Rahe kein Segel hat, scheint mir, ähnlich wie bei der blinden Rahe, den Ausschlag bei der Benennung gegeben zu haben, die eine Bettel-Rahe bedeuten dürfte. Im Französischen heißt sie, oder hieß sie 1702 Pöbel-Rahe, la vergue de foule; zur gleichen Zeit ward sie holländisch een onnutte ree, eine unnütze Rahe genannt: „De begyn ree is een lose en onnutte ree, behalven om de schooten van het kruis-zeil daar by van onderen uit te halen.‟ Wir müssen auf das unter Bagger behandelte bag zurückgehen. Es hat eine weite Verbreitung, auch starke Bedeutungsverschiebungen erlebt. In die romanischen Sprachen ist es stark eingedrungen. Provençalisch bagua, spanisch baga = Packseil; altfranzösisch bague, Bündel. Davon bagage = Gepäck. Insofern nun die alten Kriegsknechte mit den Erbeuteten und Erplünderten (dem „Plunder‟) nicht haushälterisch umgingen, sondern es bald wieder an den Mann oder vielmehr an die Frau (Marketenderin) brachten, so ward trotz der Plünderung reicher Städte die Bagage eines Söldners als etwas Verächtliches und Geringes angesehen, und aus bagage ward bagatelle. Weil sich aber bei den Bagagenwagen nicht nur allerlei Männlein zweifelhaften Handwerks, sondern auch allerlei Fräulein zweifelhaften Rufes herumtrieben, so kam wie das deutsche Wort Hurenpack, Lumpenpack, Diebespack, so im Italienischen bagascia, in Spanien bagasa, in Portugal bagasca, in der Provence baguassa, im Altfranzösischen bagasse, bajasse auf zur Bezeichnung einer feilen Dirne. Im Niederdeutschen dagegen entwickelte sich der Sinn von bag in anderer Richtung. Das wichtigste Ausrüstungsstück eines Bettlers war entweder ein Scherben für die Bettelsuppen oder ein Sack für das Bettelbrot. Von diesem bag haben Bettelnonnen den Namen Bagienen empfangen. Nach ihnen mag — zuerst scherzhaft — die des Segels entbehrende Rahe wegen ihrer Armut genannt worden sein. Hat man doch in Holland auch eine Kuh ohne Hörner bagyn genannt, und in Westfalen heißt heute noch Begine nicht nur ein verschnittenes Schwein, sondern auch ein törichtes, unnützes Frauenzimmer. Zu Kilianus' Zeiten hieß beghyne ein aschfarbener Ochse, weil die Bagienen solche Kleider trugen. In Bremen nannte man und nennt man wahrscheinlich noch eine gewisse Art von Hauben Begine, weil diese Nonnen dergleichen getragen haben. Weigand schreibt: „Adelung acht dezen naam, waarschynlykst, afkomstig van het oude begge d. i. bedelen, dewyl de Begynen voornamelyk van het bedelen bestonden,‟ kann sich aber, trotzdem dies doch der Wahrheit sehr nahe kommt, doch nicht enthalten von einer Herzogin Begga von Brabant zu fabeln, die im Jahre 635 ermordet worden sein soll. — Im Teuthonista ist das Wort Baghyne geschrieben. Die Nonnen des Namens waren in niederdeutschen Seestädten sehr weit verbreitet, die Anwendung des Namens in übertragener Bedeutung lag daher nahe. Es heißt, nach Waghenaer, „Spiegel der Zeewaerdt‟, 1573, sogar ein Felsen in der Hafeneinfahrt von Brest Bagiene.

Bai, die, ist ein aus den romanischen Sprachen zu uns gekommenes Wort für Meerbusen. Bei Aubin, Dictionaire de Marine, 1702 baye und baie. Derselbe gibt für das Niederländische die Form baai an. Italienisch baja, spanisch baja, Hafen. Aus dem Niederländischen ins Niederdeutsche und von hier um die Mitte des 17. Jahrhunderts ins Hochdeutsche gedrungen.

Bake, die. „Signum secundum quod navis regitur‟, diese Erklärung Halbertsma's dürfte in ihrer Kürze am treffendsten die verschiedenartigen Bedeutungen des Wortes Bake zusammenfassen. Denn wie eine Bake auch aussehen und wo sie auch angebracht sein möge, ihr Zweck ist für den Seemann doch immer der, seinem Schiff weisend und warnend den rechten Weg zu zeigen. Ein sehr altes deutsches Wort, das ursprünglich noch keineswegs ein Seezeichen, Segelmarke, Feuerzeichen, Landmarke u. dergl., sondern ganz allgemein Zeichen bedeutete. Es ist mit bücken verwandt, und dieses mit biegen. Die einfachsten und ursprünglichsten Zeichen sind ja die, daß man mit dem Kopfe nickt, den Oberkörper nach vorn biegt, sich bückt oder eine ähnliche Körperbewegung macht. Jeder der auf eine größere Entfernung einem anderen ein Zeichen giebt, wird unwillkürlich dabei seinen Oberkörper vornüber beugen, und eben diese Bewegung ist das was die Alten baken oder beken nannten. Dieser Name ward dann schon früh auf eine Stange übertragen, mit der man jemandem zuwinkte (Zaunpfahl!) oder die man als ein Zeichen für irgend etwas in den Boden steckte. Damit man diese Stange auf größere Entfernung desto besser sehe, wurde an ihrer Spitze ein Bündel Stroh oder Reisig befestigt. Noch heute stecken unsere Landleute da, wo die Polizei eine Warnungstafel anbringen würde, eine Stange mit einem Strohwisch in die Erde, und jeder weiß was das bedeutet. — Solche Baken, also Pfähle mit Reisigbündeln, haben in alten Tagen für das Signal- und Nachrichtenwesen eine große Rolle gespielt. Wenn in Friesland hohe Fluten drohten oder ein Wind nahte, dann wurde die Gemeinde zusammengerufen durch „tha Klocka an to slan, iefta (oder) tha bekena of to stekene.‟ Oder die Gefahr wurde „mith boeda iefte bakena‟ den Freunden kund getan. Nachts ward das Reisigbündel auf der Stange angesteckt und hieß dann Feuerbake, „vierbaeck.‟ Es war den Wächtern genau vorgeschrieben, wann und in welchen Zeitabständen sie ihr Feuerzeichen zu entzünden hatten. Wie sehr aber in altfriesischen Zeiten der allgemeine Begriff von Zeichen noch galt, geht daraus hervor, daß auch das Läuten der Glocken ein baken genannt wird. Im Theuthonista (XV. Jahrh.) steht bake gleichbedeutend mit hagelkruys und bezeichnet ein zur Erinnerung an einen verwüstenden Hagel errichtetes Gedenkzeichen in Form eines Kreuzes. Im Angelsächsischen ward beácen sogar vom Kreuze Christi gebraucht, als Siegeszeichen, sige-beácen. Im Beówulf (VIII. Jahrh.) steht becn schlechthin als Zeichen; beácen heißt Feldzeichen, Feldherrnzeichen, was aber damals noch keine Flagge, sondern der am Mast aufgehißte Schild des Höchstkommandierenden war; auch kommt heofones-beácen vor, Himmelszeichen, d. h. Feuersäule. — Brennende Baken dienten als Hochzeitsfackeln im friesischen Brautzuge. — In dem oldenburgischen Saterland, jener friesischen Enclave im Moor nach dem Münsterländischen zu, wo sich viele Reste des Altfriesischen erhalten haben (gesammelt von J. U. Minßen und in Ehrentrauts friesischen Archiv veröffentlicht) feierte man noch im XIX. Jahrhundert den Dienstag Abend der Fastnacht als „Bekenseivend.‟ Darüber berichtet Strackerjan („Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg‟): „Wer noch beinhaft (gehfähig, also noch einigermaßen nüchtern) war, machte sich ein langes Strohbündel von 4 bis 6 Zoll im Durchmesser und 8 bis 12 Fuß Länge, das dicht und straff mit Bändern umwickelt war. Diese Beken (plattdeutsch Baken) wurden mit Dunkelwerden angezündet, und die Leute schwärmten damit in den Feldern umher, tolle Lieder singend und wild schreiend.‟

Bake als Seezeichen im engeren Sinne, also nicht blos als Warnungszeichen, sondern als Wegzeichen oder vielmehr als Segelzeichen finden wir zum ersten Male in dem auf der Kommerzbibliothek in Hamburg aufbewahrten, von Karl Kloppmann, Arthur Breusing und Christoph Walter herausgegebenen „Seebuch‟, das um das Jahr 1400 geschrieben worden ist und zahlreiche Segeldirektionen enthält, mit Berücksichtigung der Tiden, Stromläufe, Seezeichen u. s. w. Da lesen wir: „also gy wilt segelen int Vly so sole gy den torne unde de baken over en bringen.‟ — Dann findet sich das Wort in einer alten Chronik des Landes Dithmarschen in ähnlichem Sinne: „Im Augusto vell ein gruwlich water ... welches allenthalben den acker und wege dergestalt verdekde, also dat men ... pale und baken stecken moste, dat man nicht des rechten weges feilede.‟ Kilian aber erklärt Bake schon nur mehr mit „seemerk‟ und nennt auch Bake das was heutzutage im seemännischen Gebrauche Boje heißt. Jedenfalls ist das Wort jetzt ausschließlich Seemannseigentum. Kluge erklärt es mit „Zeichen an der Hafeneinfahrt und zur Warnung vor Untiefen‟, und berichtet, daß es im Hochdeutschen zuerst von Sperander 1727 als „Leuchtturm‟ verzeichnet worden ist.

Ins Englische ist das Wort schon zu der angelsächsischen Zeit übergegangen und es lautet jetzt beacon. Naturgemäß spielt es in dieser Sprache eine große Rolle: „a mark or object of some kind placed conspicuously on a coast or over a rock or shoal at sea for the guidance of vessels.‟ „Various hills in England got the name of Beacon from the fact of signal-fires having been formerly lighted on them.‟ Überhaupt scheint in England der Gedanke an Feuer oder Licht in den Begriff von beacon heute noch hineinzuspielen, denn das Zeitwort to beacon heißt to afford light or aid, as a beacon; to light up; to illumine; to signal, welch letztere Bedeutung sich mit besonderer Kraft behauptet hat, was uns das noch verwandte Zeitwort to beckon beweist, „to make a sign to another by nodding, winking, or a motion of the hand or finger‟. — Von beacon kommt dann weiter beaconage, eine Abgabe zur Unterhaltung der Baken. Das ward in Deutschland als juristen-lateinisches Wort beconagium bekannt, wie die Gelehrten des Bremer Wörterbuches uns berichten, ist zum Glück aber wieder außer Gebrauch gekommen. Die Bake selbst aber ist nicht nur geblieben, sondern hat sich im Laufe der Zeit und des großen technischen Fortschrittes der Seemannschaft zu etwas ganz anderem ausgewachsen als einer sich beim Anblick eines mittelalterlichen Strohwisches hätte träumen lassen. Gibt es jetzt doch sogar Baken, in denen Nahrungsmittel, Betten, Decken für Schiffbrüchige enthalten sind, also Rettungsbaken, wie es Baken mit Richtungsfeuer, Landerkennungsbaken, Pfahlbaken, Steinbaken, Treibbaken, Signalbaken und Winkbaken gibt. — Wegen der nahen Bedeutungsverwandtschaft ist Boje zu vergleichen. Das Wort Bake hat sich so allgemeine Geltung verschafft, daß es beinahe ausschließlich herrscht, und daß alle anderen Bezeichnungen für dieselbe Sache, wie Fuse, Prikke, Steuder, Wacker, Wethe kaum mehr bekannt und höchstens noch auf beschränktem Gebiet in einzelnen Gegenden im Munde der Leute sind. — Das älteste mir zu Gesicht gekommene Bild einer Bake hat Lucas Janszoon Waghenaer, Steuermann zu Enckhuysen, in seinem berühmten Buche: „Spiegel der Zeevaerdt,‟ das in Leyden gedruckt, in „Amsteeredam‟ in eben dem Jahre 1588 erschienen ist, in dem die „unüberwindliche Armada‟ überwunden ward. Da heißt es — vergl. Tonne — : „ende aen de ander zyden op de sanden ofte platen staen gemeenlyck de Baekens met korven bouen op in deser manieren‟, und ist dann eine Stange abgebildet mit einem Ball aus Korbgeflecht an der Spitze, wie man ihn auch heute noch als Sturmball etc. etc. gebraucht.

Balje, die.

1. Ein Wasserbehälter = Bütte.

2. Ein Wasserlauf zwischen den Watten, fahrbar auch bei Ebbe, z. B. die blaue Balje bei Wangeroog.

Französisch 1702: baille; holländisch 1702: baalie; Groningen: boalie, boalje, melkboalie, Melkeimer.