Befahren. Als Zeitwort so viel wie auf etwas fahren, einen Weg, eine Straße, das Meer befahren. Als Adjektiv einen Mann bezeichnend, der viel zur See gefahren ist; oder vielmehr, wie der Seemann sagt, gefahren hat. Ist einer so befahren, daß er das Kap Hoorn und das Kap der guten Hoffnung umschifft hat, so darf er, wie verlautet, an einigen Küstenplätzen in seemännischer Gesellschaft — beide Beine auf den Tisch legen. Einen nicht-befahrenen, unerfahrenen Seeoffizier nennt Aristophanes, wie Roeding behauptet, einen „Asalaminrium‟, also einen, der nicht ist wie die von Salamis.
Befluten, „unter Wasser setzen‟. Alle Munitionskammern an Bord S. M. Schiffe sind zum Unterwassersetzen (Befluten) einzurichten, damit bei einem Schiffsbrande der Explosionsgefahr begegnet werden kann. Es gibt natürliche Beflutung bei tiefliegenden Munitionskammern, die unmittelbar durch Bodenventile beflutet werden können; künstliche Beflutung bei hochliegenden Munitionskammern, die durch Dampfpumpen beflutet werden müssen; und gemischte, wo beide Arten in Kraft treten, die Worterklärung ergiebt sich von selbst aus Flut (s. d.)
Bei. Das Kommando für die Leute am Ruder wenn sie bei dem Winde, am Winde (s. d.) steuern sollen. Wenn nicht so hart am oder beim Winde gesegelt, also nicht „gekniffen‟ werden soll, dann heißt das Kommando: „voll und bei!‟
Beiboote, die, auch Schiffsboote; „jedes Schiff ist mit einer Anzahl von Booten ausgerüstet, welche die verschiedenartigsten Anforderungen zu erfüllen im Stande sein sollen. Dieselben dienen nämlich zum Verkehr der Besatzung mit dem Lande oder anderen Schiffen, zur Beschaffung von Material, Wasser, Proviant u. s. w., zum Ausfahren von Ankern und Trossen, zum Auffischen über Bord gefallener Menschen oder Gegenstände, zur Ausbildung der Mannschaft im Rudern und Segeln, als Rettungsmittel für die Besatzung bei Schiffsunfällen, bei Landungszwecken zum Aus-und Einschiffen des Landungskorps, zum Ausloten unbekannter Fahrstraßen, zur Herstellung von Sperren.‟ „Da zur Erfüllung dieser verschiedenen Zwecke teilweise ganz verschiedenartige Rücksichten und Anforderungen maßgebend sein müssen, so ergibt sich ohne Weiteres die Notwendigkeit verschiedener Bootsklassen oder Gattungen.‟ (Dick u. Kr.) Als da sind (in der K. Marine): Dampfbeiboote, Motorboote, Barkassen, Pinassen, Kutter, Gigs, Jollen, Dingis, Walfischboote und Beiboote für Torpedoboote.
Beidrehen heißt an den Wind gehen (s. „am Winde‟) oder auch das segelnde Schiff sonst auf irgend eine Weise zum Stillstand bringen, hauptsächlich durch Backbrassen der in Betracht kommenden Segel. Vor allen Dingen ist aber wichtig das seemännische Manöver des Beidrehens, des an den Wind Gehens, im Sturm. Wenn das Schiff eine Weile „gelenzt‟ hat, d. h. vor dem Sturm gelaufen ist, und der Kapitän kann wegen zu hohen Seeganges oder will, weil ihm die Richtung nicht paßt, das Lenzen nicht fortsetzen, so dreht er bei. Das muß mit Geschick und Umsicht gemacht werden, damit Sturzseeen dem Schiff nicht gefährlich werden. Die Folge des Beidrehens ist das Beiliegen. Das Schiff „liegt bei‟ (dem Winde) bis besser Wetter eintritt, und es handelt sich hauptsächlich darum, daß es mit dem Kopfe auf der See liegt, nicht abfällt (s. d.), weil es dann die See besser hält, weniger Sturzseeen übernimmt.
Beibuchten. Wenn ein Tau aufgeschossen wird, was, je nachdem es gedreht ist, mit der Sonne oder gegen die Sonne zu geschehen hat, so entstehen so viele Buchten — von biegen — so viele Kreise das Tau beim Aufschießen bildet. Wenn diese Kreise oder Buchten nicht so viel Platz einnehmen oder aus irgend einem Grunde, z. B. beim Deckwaschen aufgehängt werden sollen, so werden sie mit einem Band oder Bändsel zusammengebunden, damit sie nicht „unklar‟ werden und leicht wieder gebrauchsfähig gemacht werden können. Dieses Zusammenbinden heißt beibuchten. Im übertragenen Sinne heißt einen beibuchten ihn einsperren, in Arrest schicken.
Beilbrief, der, früher Bielbrief, niederländisch bylbrief, dänisch bül-brev, schwedisch bil-bref. Weil das Wort englisch bill of sale heißt, so könnte vermutet werden, diese bill hätte dem Beilbrief den Namen gegeben, er würde also eine Tautologie darstellen. Das würde nun an sich nichts ausmachen, weil es öfters vorkommt, aber ich sehe doch nicht an, bei dem Worte an Beil, Schiffszimmermannsbeil zu denken. Es bedeutet ja einen Kontrakt zur Erbauung eines Schiffes, der zwischen „einem Zimmermann und Demjenigen, der ein Schiff bauen läßt, gemacht,‟ schriftlich abgeschlossen wird; das Beil aber ist und bleibt doch immer des Zimmermanns Hauptwerkzeug. Bestärkt wurde ich in diesen Gedanken durch das Eigenschaftswort beilfertig, bielfertig, niederländisch bylvaardig, dänisch bilfaerdig, schwedisch bilfardigt, welches das Schiff als fertig im Holzwerk bezeichnet ohne Takelage und Zubehör, also in dem Stande, bis zu welchem das Beil die Hauptarbeit an ihm getan hat.
Bekaier, der, heißt dem Wortlaut nach ein Tau das zum Kaien dient, hieß aber früher auch der Oberlee-Segelsniederholer, auch das Tau, womit das oberste Ende der „Besansrute‟ aufgetoppt wurde, beim „Überstaggehen‟, und heißt auf Schmacken, Jachten und Kuffen die Braß der Bagienrahe, die nach vorne fährt.
Bekleiden, das, Tauwerk an Stellen, wo es dem Reiben, also dem Schamvielen, ausgesetzt ist, mit Schmarting, Matten, Schlatting, Schiemannsgarn, Sarving, Platting etc. umwickeln; es wird auch Leder dazu genommen; die wichtigste Bekleidung aber ist die der Wanttaue, die, nachdem sie mit einer Trensing versehen sind, in ihrer ganzen Länge mit Schiemannsgarn fest umwickelt werden. Auch das Deck eines Schiffes kann bekleidet werden, s. Kleid.
Belauf, der, die Gestalt und Richtung, in der ein Balken, z. B. ein Lieger, Bauchstück oder eine Wrange, Bodenwrange verläuft; dementsprechend auch die äußere Gestalt des Schiffsbodens, oder die Verengung desselben, vorne oder hinten; man sagt von einem Schiff, daß es einen feinen Belauf hat, wenn es sich vorn und hinten sehr verengt und spitz zuläuft. (Roeding, Datovich).