Brise, die, jetzt für gewöhnlich gleichbedeutend mit Bö ohne Rücksicht auf die Himmelsrichtung für einen plötzlich aufkommenden, scharfen, wo möglich von Schnee und Hagel begleiteten Wind. Das war früher anders. Da konnte man nicht sagen: es kommt eine Brise aus Osten auf, so wenig wie eine Zeitung die in einer Hafenstadt erscheint hätte schreiben dürfen: „Boreas blies mit vollen Backen aus Südwest‟, oder wie es auf dem Vogelsberg mit Recht gesagt werden kann: „Hier bläst der Nordwind aus allen Himmelsrichtungen.‟ Denn da wußte man noch, daß Bise Nordwind bedeutet. Althochdeutsch bîsa, mittelhochdeutsch bise, boreas; piemontesisch und provençalisch bisa, Nordwind; französisch bise. Ein deutsches Wort, das Weigand I. 223 wohl nicht mit Unrecht als „Beiß‟-Wind erklärt. — Dazu gehört italienisch bigio, provençalisch und französisch bis = grau, schwärzlich; das hängt damit zusammen, daß man in Frankreich den Nordwind bise nannte, mit seinem altdeutschen Namen, und daß bei Nordwind der Himmel grau und schwärzlich war. Ja man dachte sich den Norden überhaupt schwarz und dunkel, denn im Altfranzösischen hieß bise geradezu nördliche Gegend, Norden.

Blakepumpe s. Pumpe.

Bleilatsch, der, ein an Bord gespieltes Unterhaltungsspiel, bei dem es auf die Geschicklichkeit im Werfen mit einer Bleischeibe nach einer an Deck aufgezeichneten Figur ankommt. Eine Latsche ist ein niedergetretener Schuh oder ein solcher ohne Kappe oder Hinterleder; latschen heißt gehen ohne daß man die Füße recht vom Boden aufhebt, mit den Sohlen auf dem Boden dahinschlurren und -schleichen. So gleitet die durch die Luft geworfene Bleiplatte eine Zeit lang an Deck hin, ehe sie an ihrem Ziele liegen bleibt.

„Blauer Peter‟ s. „an Bord.‟

Blinde Rahe, die, ist ein kurzes Rundholz am Bugspriet, das den Zweck hat, demjenigen Teil des stehenden Gutes, der den Klüverbaum nach den Seiten zu rückwärts stützen soll, eine größere Spreizung, also mehr Halt und Festigkeit zu geben. Ein Segel hat diese Rahe nicht. Aber in früheren Zeiten hatte sie eins. Es gab da sogar zwei blinde Rahen mit Segeln, mit viereckigen Rahsegeln. Sie nützten zwar wenig, diese Segel, und hießen darum Blinde, obere Blinde und untere oder große Blinde, und eben daher hießen die beiden Rahen Blinde-Rahen. Überhaupt hieß jedes Segel, wenn und solange es, durch ein anderes stehendes Segel verdeckt oder „benommen‟, ohne Wind war, ein blindes Segel. Da dies bei den beiden Segeln unter dem Bugspriet allermeist der Fall war, waren sie eigentlich zwecklos und leisteten nichts. Mit der Bezeichnung „blind‟ wird wie mit „taub‟, etwas benannt, was nicht ganz so ist wie es sollte sein, nicht leistet wozu es bestimmt ist, z. B. blindes Glas, blindes Fenster, blinder Passagier, „mit dem Blinden spielen.‟ Im Friesischen und Angelsächsischen heißt unsere „taube Nessel‟ „blinde Nessel‟ als eine Pflanze die blüht, ohne Frucht zu bringen; vergl. „taube Nuß‟, Nuß die keinen (Frucht) Kern hat. Die Würfelseite ohne Punkte, (Augen) heißt friesisch bline dobbelstien. In Westfalen nennen sie das, was man anderwärts einen „Nachtwächter‟ am Wege nennt, einen blinnen hasen, weil es nicht wegläuft wenn man darauf tritt. Englisch ist die „schwache Seite‟ eines Menschen seine blindside. „He is too great a lover of himself, this is one of his blindsides; the best of men, I fear, are not without them.‟ — Weil die „Blinde‟ genannten Segel überflüssig waren, kamen sie ab, aber die eine „Blinde-Rahe‟ ist als blinde Rahe geblieben, denn sie ist, wie oben angegeben, nicht überflüssig und zwecklos, wenn sie auch den entsprechenden Namen erhalten bezw. behalten hat. Insofern der eigentliche Zweck einer Rahe der ist, ein Segel zu tragen, führt sie ihn auch mit einem gewissen Recht. Auf den Seekarten des Lucas Janszoon Waghenaer im „Spiegel der Zeevaerdt‟, 1588, ist der freie Raum, den das Meer bietet, mit Vertonungen, schön verzierten Titelkartuschen und dergl. ausgefüllt; daneben auch mit allerlei Seetieren und namentlich mit Schiffen unter Segel. Die meisten von diesen haben die Blinde gesetzt.

Blinkfeuer, das. „Ein Leuchtturm mit rotierendem Leuchtapparat, dessen Licht durch kurze Intervallen von Dunkelheit unterbrochen wird und dann plötzlich wieder erscheint.‟ Ein „Blink‟ ist eine klare Stelle am Himmel, die sich zuweilen bei nebligem oder dunklem Wetter zeigt. Während im Hochdeutschen die Sippe seltener vorkommt, z. B. in der Allitteration „blink und blank‟, als Zeitwort blinken und in der Wendung „mit den Augen blinkern‟, findet sie im Niederdeutschen um so zahlreichere Verwendung, zumal auch blick und bliken dazu genommen werden müssen, da blink und blinken davon nur nasaliert sind. Blik = Schein, Glanz, Strahl, Leuchten, Zeichen, Kennzeichen; davon bliksem, bliksen, bliks = Blitz. — Blink, ebenfalls Blitz, Glanz, momentanes Leuchten, kurzer heller Schein; „alle dre mienuten smit dat lücht fan de furtorn 'n blink afer 't water.‟ — Blinke, blink „eine glänzende Stelle im Watt, welche namentlich beim Sonnenschein durch ihren hellen Schein weithin sichtbar ist. Es sind diejenigen Stellen, welche nach eingetretener Ebbe wegen ihrer Undurchlässigkeit länger naß bleiben‟ (Doornkaat). Es gibt auch noch ein blinke, blink als grüner Anger bei Dörfern und Städten, was wohl von brink kommt, einen erhöhten, bewachsenen Weideplatz bezeichnend. Dazu die Zeitwörter bliken = Schein und Glanz machen, wonach aussehen, sichtbar und offenbar werden, erhellen, sich zeigen, und blinken = blinken, leuchten, glänzen, blitzen, funkeln; davon das Frequentativum blinkern, zwinkern, blinzeln. Kommen alle mit Birke wegen der glänzenden scheinenden Rinde von der Wurzel bhrag, bharg, bhark, glänzen. — Schon althochdeutsch blican, glänzen, blicfiur, Blitzfeuer. Angelsächsisch blican, leuchten; aber altenglisch blink = aspectus. — Roeding kennt „Blickfeuer, gewisse Signäle die man in der Nacht auf Schiffen durch Ansteckung etwas Pulvers von Zeit zu Zeit macht, um sich unter einander Nachricht zu geben, wo man sich befindet.‟

Block, der. Dieses für die Seemannschaft so wichtige Werkzeug, das einem jeden aus der Physik als Teil eines „Flaschenzuges‟ bekannt ist und das hauptsächlich aus zwei Teilen, dem Gehäuse und der Scheibe, besteht, hat seinen Namen von einem Klotz; denn nichts anderes bedeutete das althochdeutsche biloh, mittelhochdeutsch bloch, als Klotz, Stück eines Baumstammes, dickes Brett, Bohle, Holzblock, Block in Gefängnissen; altfriesisch bloc, „vppa thet bloc iefta inna thet kalde yrsen sle,‟ in diesem Sinne wird aber meist, schon im Mittelniederdeutschen, Stock gesagt. Indessen ist Block die treffendere Bezeichnung, denn es kommt vom gothischen lukan, althochdeutsch luhhan, angelsächsisch lucan, und das heißt schließen, verschließen (s. Luke). Das Wort Block führt also in die frühesten, einfachsten Zeiten zurück in denen man zum Verschließen von Öffnungen weiter nichts hatte als einen Holzklotz. — Es gibt eine große Anzahl von Blöcken an Bord, mit verschiedener Gestalt und Bestimmung, die auch je nach Art und Zweck verschiedene Namen führen. Die meisten davon erklären sich durch Zusammensetzungen wie Hakenblock, Bauchgordingsblock, Leesegelsfallblock von selbst. Sonst s. Violinblock, Warrelblock, Steertblock, Kinnbacksblock, Dodshofd und Spinnekopf.

Block an Block s. tublocks.

Blockade, die. Sperrung eines Hafens, einer Küste. In diesem Worte ist die ursprüngliche Bedeutung von Block (s. d.) wieder zum Vorschein gekommen: Verschluß. Das französische bloc und bloquer, das italienische bloccare, das spanische bloquear sind also deutschen Ursprungs. Blockieren war in Deutschland schon vor dem 30jährigen Kriege gebräuchlich. Blockade dagegen wird nach Kluge erst seit 1686 verzeichnet.

blockieren s. Blockade.