G.
Gaan achter! und gaan vor! sind Kommandos beim Wenden, auf Handelsschiffen öfters gehört. Auf Kriegsschiffen wird: „Rund achtern‟, „Rund vorn!‟ kommandiert, was deutlicher und zutreffender ist, denn auf dieses Kommando hin sollen sich doch die Segel, bezw. Rahen von dem einen Bord nach dem andern drehen und das können sie nicht ohne daß man an das Rundgehen eines Karrussels erinnert wird. Gaan ist die niederdeutsche Form für gehen, gemeint ist rund gehen.
Gaffel, die. Wenn man in deutschen Wörterbüchern liest: „Gaffel, eine Art Rahe‟, so ist damit wenig genug gesagt, und das Wenige ist nicht einmal richtig. Denn die Segel an Bord werden ja in Rahsegel und Gaffelsegel grade mit Rücksicht darauf unterschieden und auseinandergehalten, ob sie an einer Rahe, ob sie an einer Gaffel befestigt sind. Wenn nicht gesegelt wird so steht die Rahe quer zur Längsachse des Schiffes, die Gaffel aber liegt mit ihr in einer Linie. Gaffel bedeutet Gabel, wegen der gabelförmigen Gestalt in der sie sich an den (Schnau-) Mast anschließt, ihn gaffel-, gabelartig umfassend. Wegen der Ableitung kommt das althochdeutsche gibil = Giebel in Betracht, (gothisch gibla, altnordisch gafl, Giebel in gabelförmiger Gestalt, so daß die beiden Giebelbalken, am Dachfirst übereinander ragend, sich kreuzend, eine Gabel bilden, Edda: gafl, gabelförmige Giebelwand), verwandt mit gebal, Schädel, und also mit dem griechischen kefale, Kopf, von indogermanischer Grundform ghebhala. Den Giebel kann man sich sehr wohl als den Kopf, das Haupt des Hauses vorstellen. Von der (gabelförmigen) Gestalt desselben hat sich dann erst die Bedeutung Gabel entwickelt, aber bereits im Althochdeutschen, gabala, mittelhochdeutsch gabile. Man hat zwar behauptet, Gabel komme von geben, aber dann müßte man an eine Heu- oder Mistgabel denken, denn Eßgabeln sind eine sehr junge Erfindung; es sind noch keine 200 Jahre her, daß ein Altenaer Drahtzieher sich über solch ein Ding als etwas ihm Unbekanntes wunderte, und ein Meierin in der Grafschaft Limburg ihre Leute aufforderte: „Kinner, wasket iuk de finger, vi hett silad.‟ Von der Ähnlichkeit mit Giebel käme dann weiter gapan = gaffen, klaffen, gähnen, den Mund weit aufmachen; ginundagap = Chaos, Urzustand der Erde in der germanischen Mythologie. Französisch gable = Giebel. Dietz sagt, das erinnere an das altlateinische gabalus = Kreuz; „da indessen das Wort in den übrigen romanischen Mundarten fehlt, so wird es ratsamer sein, es auf das althochdeutsche gabala, Gabel, als seine nächste Quelle zurückzuleiten.‟ Nach Grimm, Deutsche Sagen, I. 7. wäre der Name des gothischen Stammes der Gepiden mit Gaffel verwandt. Er erzählt nach Jornandes, die Gothen wären anfangs aus Scanzien unter Berich blos mit dreien Schiffen ausgefahren. „Von diesen Schiffen fuhr eins langsamer wie die andern, darum wurde es Gepanta (das gaffende) geheißen und davon bekam der Stamm den Unnamen der Gepiden.‟ „Die gewöhnliche Ableitung von beiten (goth. beidan) warten ist unzulässig, die hier gegebene von Gapan, Gepan, unserm Gaffen, dagegen natürlich; das Wort bedeutet: das Maul aufsperren, stutzen, gähnen, und hat gleich dem lat. hiare den Nebensinn von harren, faul und unentschlossen sein.‟
Gaffelgeer, s. Geer.
Gaffelklau, s. Klau.
Gala, die. Die Uniform der Seeoffiziere bei besonders feierlichen Gelegenheiten. Aus dem Arabischen. Es gibt zwar ein althochdeutsches Wort geili, Üppigkeit, Stolz, Prunk, und das würde der Bedeutung nach das Etymon sein können; auch könnte man an das althochdeutsche galan denken, welches singen, (daher Nachtigal), fröhlich sein, Feste feiern bedeutet, so daß Gala also ein Festgewand wäre. Das ist es auch, aber der deutsche Sprachgebrauch bietet, so viel ich sehen kann, keinen Anknüpfungspunkt, während im Spanischen gala schon früh Feierkleid, Anstand, Anmut heißt. Da liegt der Gedanke an das arabische chalach, Ehrenkleid als fürstliches Geschenk, so nahe, daß wir ihn nicht abweisen dürfen, wenn uns einer mit dem griechischen kalos, schön, oder agallein schmücken, dazwischen kommen möchte.
Galeere, Galei, Galeide, Galee, Galé, Galea, Galia, Galine, Galeasse, Galeone, Galeote, Galiote, Galeazza, Galerate, Galione, Galizabra, Galeota u. s. w. sind verschiedene Formen eines Schiffsnamens dessen einfachste Gestalt Galee ist. Bei allen landesüblichen Verschiedenheiten ist doch bis in die neuere Zeit dies festgehalten worden: es handelt sich um ein schmales Schiff das gerudert wird, oder, wenn es für gewöhnlich auch segelt, doch in gewissen Fällen gerudert werden kann. Hier eine lateinische Beschreibung aus Venedig aus dem Jahre 1501: „Galeacearum quamlibet cuparum quingentarum sub tegmine: in detecto autem totidem pondus deportare, inquiunt. Cupas (Tonnen) vero singulas ponderis mille librarum computant ... Galeacearum quaelibet ducentorum fere hominum ministerio, stipendio conductorum indigere videtur. Ad remorum, ac velorum administrationem, centum quinquaginta addicuntur, tot enim remos quaelibet ipsarum (quamvis ob Navigii magnitudinem remis parum utantur) affert. Nam solo tempore malaciarum, ut proximum aliquem portum ingrediantur, et exeant, aut se in aliquam partem mutent, et convolvant, remis agitur.‟ Und eine niederdeutsche (Rostock 1519): „So we avervaret mit einer Galleiden, dat is ein lankhaftich schip, unde geit van dem einen over bet to dem anderen jo bilank dem overe unde holt alle nacht to lande, unde heft sostich banke in beiden halven, unde to jewelker bank horen dre man mit roderen unde en schutte, unde nemet alle dage versche spise unde kost, des men in den koggen nicht hebben mach.‟ — Zur Erklärung hat man auch hier gemeint, das Arabische heranziehen zu sollen und an châlia, junges Kamel, dann kleines Schiff gedacht. Und wer wüßte nicht, daß umgekehrt das Kamel oft genug „das Schiff der Wüste‟ genannt worden ist. Aber wir haben eine nähere, bessere Erklärung: das griechische galeos, Haifisch, oder galeotes, Schwertfisch. Namentlich die Gestalt des letzteren dürfte bei der Benennung den Ausschlag gegeben haben, war auch besonders passend wegen des „Rammsporns‟ von dem wir in einer alten Beschreibung der Galea lesen: „lignum a prora praefixum habet et vulgo calcar dicitur, quo rates hostium transfiguntur percussae.‟ Althochdeutsch galie, galine = Galeere, langes Ruderschiff, davon galiner, Schiffer auf einer galine, und galinhus, Schiffshaus, Arsenal. Mittelhochdeutsch hieß galiot Seeräuber, Schiffer, Fährmann, eigentlich Galeerensklave. Gerade durch die armen an die Ruderbank Jahre lang Tag und Nacht angeschmiedeten Gefangenen ist das Wort Galeere ja zu weiterer Verbreitung gelangt als andere mittelalterliche Schiffsausdrücke. — Für unsere heimische Seefahrt kommen jetzt nur noch (Galeassen) Galjassen (s. Fastgaljaß) und Galioten in Betracht. Letztere, Wangerooge sagt galjot, haben zwei Masten und ein rundes Heck, wodurch sie sich von den Galjassen mit plattem Heck unterscheiden.
Galion, Gallion, das, ist ein Vorbau vor dem Vorsteven. Noch vor Kurzem, ehe der Eisenschiffbau alle alten Formen über den Haufen warf, ragte das Gallion mehr oder weniger weit nach vorn in mehr oder weniger schön geschwungener Form, so daß von dem Verlauf seiner Linien viel von der Schönheit eines Schiffes abhing. Es war aber eigentlich eine unnütze Beschwerung des Vorschiffes und beförderte die Kielgebrechlichkeit. Bald wird von dem ehemaligen Bau nur noch zweierlei übrig sein.
1. Das Gallion im Sinne von Abtritt. Wo das Gallion überragte eignete es sich hierzu besonders gut, namentlich wenn eine Mamierung als Leitungsröhre untergenagelt war. Der Mann der die Sitze und Grätings reinhält führt den Titel Gallionsinspektor. Jetzt ist es dem Gallion gegangen wie der Kombüse. Es ist an irgend einen passenden Ort im Schiffe verlegt worden, aber der Name ist geblieben.
2. Das Gallionsbild, eine Figur in der die Linien des Gallions bezw. des Buges auslaufen oder mit der dieser Teil des Schiffes geschmückt ist. Der Schmuck muß in Beziehung zum Namen des Schiffes stehen. Trägt es den Namen eines Menschen, so ist dessen Büste üblich; eines Tieres, so wird das ganze Tier in Holz nachgebildet. Bei anderen Namen hilft man sich mit Wappen, Emblemen, Allegorien, Idealfiguren u. s. w. In den Niederlanden wurde als Gallionsbild lange Zeit ausschließlich der niederländische Löwe verwandt, so daß „der Löwe‟ gleichbedeutend mit Gallionsbild war. —