Von Zeit zu Zeit murmelte sie: »Er liebt dich nicht mehr. Alles ist nun aus! Andreas, – dein Andreas liebt dich nicht mehr!«
Wie lange sie so saß, wußte sie nicht; nur das eine wußte sie, daß der helle Glanz in ihrem Innern in dieser Stunde auf immer erloschen war. Sie wollte schreien, aber die Kehle war ihr zugeschnürt. Weinen wollte sie, aber ihre Augen blieben trocken. Sie hatte keine Tränen.
Da hört sie mit einem Male schleichende Tritte im Hause, die Tür tut sich auf, – ihr Mann steht auf der Schwelle.
Das Liesel schaut voll Entsetzen hin, weil sie glaubt, sein Geist komme zu ihr. Dann tut sie einen heftigen Schrei:
»Andreas – – –!« und bleibt wie gelähmt sitzen.
Der Mann aber auf der Schwelle, wie er das totenblasse Weib erblickt hat, ist wie eingewurzelt. Er kann nicht loskommen von diesem Platze. Da endlich lösen sich die Füße vom Boden. Mit weit vorgeneigtem Körper und erhobenen Armen kommt er, tief gebückt, näher, die Augen mit einem Ausdruck unaussprechlicher Reue starr auf das Liesel gerichtet. Die aber streckt die Hände nach ihm aus, um ihn zu erfassen; – da sinkt er vor seinem Weibe auf den Boden nieder und umfaßt ihre bloßen Füße, spricht aber kein Wort, sondern sie fühlt nur, wie er wieder und wieder seine heißen Lippen darauf drückt.
»Um Gottes willen, Andreas, was tust Du da,« schreit das Liesel auf und will den Mann emporziehen. Der aber läßt sich nicht aufrichten, sondern verharrt in seiner Haltung, vor ihr liegend. Und zwischen seinen aufeinandergebissenen Zähnen drängt es sich hervor:
»Nein, Liesel, wenn Du vorhin meine Knie umklammert hieltest, so bin ich nicht einmal wert, Dir jetzt die Füße zu küssen!«
Dann saßen sie eng zusammengeschmiegt, Wange an Wange, lange beieinander, wie in den Tagen ihres höchsten Glücks. Vom Kirchlein schallte das Abendläuten herein, und ihre Tränen flossen jetzt reichlich.
Seit diesem Tage schmückt das Liesel an jedem Ostersonnabend die Tür zur Stube des Pfarrherrn mit Blumen.