Als Kurt nach der Vorstellung zur Wache zurückkehrte, wurde diese gerade von dem Offizier der Ronde revidiert. Korporal Mißbach wußte nichts Außergewöhnliches zu melden. Auch die Nacht verlief ruhig. Den von der Ablösung zurückkehrenden Posten war nichts von Bedeutung aufgefallen. Ein paar Leute hatten versucht, die Schildwachen zur Aufgabe ihres Postens zu überreden und sich der allgemeinen Bewegung anzuschließen. Sie waren aber ohne Schwierigkeit abgewiesen worden.

Kurt schlief während der Nacht schlecht. Schwere Zweifel quälten ihn. Immer wieder fragte er sich, ob die Forderungen des Volkes gerecht seien. Da vernahm er, wie eine unbekannte Stimme antwortete: Würden sonst Männer wie Marschall, Richter, Semper, Lindeman und viele andere hochachtbare Namen im ganzen Lande die Forderungen vertreten? Haben sich nicht selbst die gestern abgedankten Minister mit den Wünschen des Volks einverstanden erklärt?

Kann die Regierung die Forderungen mit gutem Gewissen bewilligen? fragte Kurt wieder.

Sie kann es, lautete die Antwort.

Alle Forderungen?

Da schwieg die Stimme. Kurt waren Ursulas Worte eingefallen: sie wissen nicht mehr zu unterscheiden zwischen den nationalen Wünschen, denen auch die der Bewegung Fernstehenden zustimmen können, und den staatsfeindlichen Forderungen.

Der so gesprochen, war auch ein Ehrenmann ohne Tadel – der alte Herr von Abendroth! Wo lag hier die Grenze, die das heilige Recht vom Frevel schied!

Ihr droht, euern Wünschen mit Gewalt Geltung zu verschaffen, warf der einsame Mann in der Offizierswachtstube dem unsichtbaren Sprecher vor.

Es ist die letzte Möglichkeit – klang es zurück. Alle Mittel, die das Gesetz vorschreibt, sind umsonst gewesen. Der Menschlichkeit müssen ihre Rechte werden!