»Seine Pflicht!« unterbrach Peter Sorgenfrei eisig. »Du selbst, Burgemeister, und gerade du hättest nicht anders gehandelt. Ein ungetreuer Knecht, der nicht den Willen seines Herrn erfüllte!«
Georg Waltklingers Erregung wuchs.
»Sorgenfrei,« sagte er kopfschüttelnd, »du befindest dich in einem großen Irrtum. Wohl ist ein Amtmann seinem Fürsten zum Gehorsam verpflichtet. Aber hinter allem, was Miltitz sprach und uns in kirchlichen Dingen auferlegte, lauerte ein gut Teil persönlichen Übelwollens. Weißt du nicht, daß der hochmütige Herr auf Siebeneichen einer der schlimmsten Römlinge ist, die wir im Lande haben?«
»Recht hast du, Burgemeister,« eiferte Niclas Anesorge. »Dieser Amtmann ist uns doppelt mißgünstig gesinnt. Einmal gehört er zu jenen Vertretern des Adels, die die Bauern am liebsten vor den Pflug spannen und uns Städtern einen strengen Zehnten auferlegen möchten, damit sie im Nichtstun prassen können. Und das andere Mal ist er ein finsterer, herzloser Hasser von allem, was lutherisch ist.«
Der reiche Fleischhauer warf dem Sprecher einen mißbilligenden Blick zu.
»Dein weißes Haar, Anesorge, sollte dich endlich davon zurückhalten, Abwesende zu verunglimpfen. Aus deinen Worten spricht persönlicher Haß und kleinliche Gesinnung.«
»Hörst du's, Waltklinger?« fuhr der Gescholtene auf, »so spricht ein Ratmanne der Stadt Meißen!«
Peter Sorgenfrei ließ sich nicht irremachen.
»Du zeigst dich gegen den Amtmann gereizt, Burgemeister,« fuhr er fort. »Wir wollen unsere gute Zeit jetzt nicht daran verschwenden, zu untersuchen, wie weit du dazu im Rechte bist. Aber das eine nimm mir nicht krumm, Waltklinger: ich bin verwundert ob deiner Rede, der Miltitz sei ein Römling. Solches plappert der Volksmund. Lassen wir den Nachbetern ihr Geschwätz. Wir sind ernste Männer und sprechen nur das, was wir wissen! Oder solltest du Beweise für deine Behauptung besitzen? Dann will ich gern bekennen, daß ich im Unrecht bin.«