Die arme rohe Welt

Hat ihres Gleichen nicht.

Und zugleich — wohl zu beachten — wird die Gelegenheit benutzt, um von Lanzelot Gobbo in derbem Spaß die äußerliche Bekehrung zum Christentum verspotten zu lassen.

Und nun nach Venedig in den Gerichtssaal, zu der einen großen Szene, die den vierten Akt füllt; denn das ganz kurze Nachspiel, das zum Finale überleitet, schließt, ohne daß Zeit dazwischen liegt, an die Gerichtsszene an.

Eine gewaltiger aufgebaute Szene kennt die dramatische Literatur nicht; sie wäre nur mit einem vollendeten Satz Beethovens, etwa aus einem der letzten Quartette, zu vergleichen. Die Dissonanz wird zu einem fast unerträglichen Gipfel geführt, und in all diese scharfen, gehackten, schneidenden Rufe einer trotz allem fast gerechtfertigten Häßlichkeit kommt die Engelsstimme in Porzias Kavatine von der Gnade.

Kaum ist der junge berühmte Rechtsgelehrte aufgetreten, hören wir aus seinem Mund die in ihrem Widerspruch seltsam starken Worte:

Dann muß Gnad’ der Jud’ ergehen lassen.

Shylock kennt kein solches Muß, und mit der Verstandeslogik der Herzensdummheit fragt er, was oder wer ihn zwingen solle, vom Recht zu lassen.

So aber war’s nicht gemeint; o nein, da hast du schon recht; äußerlich kann dich nichts zur Gnade zwingen. Gnade ist eine Gabe; man ist begnadet, wenn man Gnade üben kann.

Die Art der Gnade weiß von keinem Zwang,