Scheint mir das größte, daß sich Menschen fürchten,

Da sie doch sehn, der Tod, das Schicksal aller,

Kommt, wenn er kommen soll.

Das ist die Sprache der Vergangenheit; nicht nur der Vergangenheit Roms, auch seiner eigenen. So furchtlos war der große General in seinen Kriegszügen gewesen, trotz allen Anwandlungen des schwächlichen, zur Krankheit geneigten Leibes, an die jetzt, wo er hassen will, Cassius sich erinnert; so rauh ergeben in alles, was kommen kann, war der Mann, den Brutus liebt.

Daß er jetzt nicht mehr derselbe, nicht mehr der Mann seiner Römerworte ist, sehen wir gleich mit eigenen Augen. Es wird nun berichtet, die Auguren hätten im Opfertier kein Herz gefunden. Ein ganz schlechtes Zeichen. Innerlich schwankt er schon; aber er will’s nicht zeigen.

Cäsar wird doch ausgehn.

Es geht ja nicht bloß um eine Senatssitzung; es geht um seinen großen Entschluß, zu dem alle Vorbereitungen getroffen sind. Soll er ihn aufschieben? Oder gar noch einmal bedenken? Der Mann jüngst, der ihn beim Luperkalienfest warnte — diese entsetzliche Nacht — Calpurnias Träume — das Ergebnis der Opferschlachtung — — Da verfällt die verängstigte Frau auf den Ausweg, auf den auch die Schulkinder kommen, wenn sie Angst vor der Schule haben: er soll sagen lassen, er sei heute nicht wohl; der zuverlässige Marc Anton soll’s bestellen. Plötzlich, unvermittelt gibt er nach; als festen Entschluß eines Mannes, der tun kann, was er will, bestimmt er:

Ja, Marc Anton soll sagen, ich sei unpaß,

und fügt, betonend, daß seine Nachgiebigkeit sein eigener Wille sei, daß er aber gar nicht selber an Furcht denke, daß er nur ihr und ihrer ganz grundlosen Anwandlung zu Willen sei, hinzu:

Du hast die Laune und ich will nun bleiben.