Schaut, Cäsar fürchtet sich?
Cäsar wird ganz heiter, und wie nun noch andre angesehene Römer ihn abholen kommen — die meisten sind in der Verschwörung —, wie er gar den untadeligen Ehrenmann, den Unbestechlichen, den als Anhänger zu haben so viel wert ist, Marcus Brutus, so früh morgens schon bei sich sieht, um ihm das Ehrengeleite zu geben, da gelten keine Träume und Weissagungen mehr, da gilt nur die Politik. So ziehen sie aufs Kapitol.
In der Szene, die den Einzug aufs Kapitol und sofort daran anschließend die Senatssitzung bringt, ist die Bühne zweistöckig. Oben sitzt in feierlicher Haltung der Senat; unten naht Cäsar mit seinem großen Ehrengeleite; viel Volks ist auf dem Weg. In der Menge gewahrt Cäsars scharfer Blick den Wahrsager von jüngst und ruft ihm, stolz aufgerichtet, ohne sich auf seinem Gang aufhalten zu lassen, spöttisch überlegen zu:
Des Märzen Iden sind nun da,
um die Antwort nachgerufen zu erhalten, die mehr unser Ohr trifft, die wir alles wissen und für Cäsar fürchten, als seines:
Ja, Cäsar,
Doch nicht vorbei.
In diesem Augenblick will ihm der Sophist Artemidorus, dem die Sache zugetragen worden ist, die ganze Verschwörung in einer Bittschrift entdecken. Eine Bittschrift! Nun zittern wir für die Verschworenen, wie wir sonst für Cäsar zittern; die Gefahr liegt so nahe, daß der Mann mit den monarchischen Allüren die Bittschrift gnädig aufnimmt und sofort überfliegt. Aber auch die Verschworenen haben ein Bittgesuch bei der Hand, und in einer dunklen Ahnung faßt sich Decius Brutus, der Gewandte, schnell und übergibt es Cäsar jetzt schon auf der Straße mit den raffinierten Worten:
Trebonius bittet Euch, bei guter Weile