Und schon kommt Coriolan wie ein Wetterstrahl schnell und zündend bis vor die Tore Roms, ganz in Rache eingehüllt, er weiß von nichts anderm mehr, hat keinen Gedanken, kein Ziel, keine Vorstellung des Nachher; „eine Art von Nichts“ nennt er sich, und damit wissen wir schon, wie er sich bei den Volskern vereinsamt, unter Feinden und ganz fehl am Ort vorkommen würde, wenn er zur Besinnung käme. Nicht einmal einen Namen hat er mehr; Cajus Marcius? er darf nicht daran denken, zu welchem Geschlecht er gehört, wo er gegen die Stadt seiner Väter, seiner Mutter, seiner Frau und seines Sohnes zieht; Coriolan? das ist der Name, der Schimpf und Hohn für seine, ach ja, für seine Freunde in sich birgt. So fühlt er sich als einen aus der Menschheit Gestoßenen, Namenlosen,

Bis er sich selbst geschmiedet einen Namen

Im Brande Roms.

Rom, die Stadt der Plebejer und der feigen Patrizier, die zugesehen haben, wie sein Held und Retter ausgetrieben wurde, soll brennen.

Wie haben da inzwischen die Stimmungen gewechselt; wie sieht’s da jetzt aus! Wie die Boten die furchtbaren Nachrichten immer bedrohlicher bringen, ist die erste Wirkung eine innerpolitische: wie erheben die Patrizier, die sich ehrlich für Coriolans Freunde halten, deren Sache er geführt hat, die ihn aus Politik allein gelassen hatten, wie erheben sie das Haupt; was für eine kühne Sprache findet nun der bedächtige Menenius Agrippa! Ihr habt’s schön gemacht! Ihr seid schuld! Derlei bekommen nun die Tribunen mit derbem Schimpf und Spott zu hören. Und die Volkstribunen lassen die Ohren hängen und werden immer kleinlauter; und das Volk kommt in Angst; dem ist jetzt, als ob es gleich sehr ungern in Coriolans Verbannung gewilligt hätte. Coriolans Fluch, der den innern Zustand des Volks und seiner politischen Führer beschrieben hatte, will äußerlich in Erfüllung gehen. Aber dann, wie die Gefahr immer entsetzlicher wird, klingt aus den bösen, aufgebrachten Reden der Patrizier doch auch schon die Angst durch, und es kommt dahin, daß angesichts der Gefahr der Parteistreit zurücktritt: die Stadt muß gerettet werden. Aber wie? Zu verteidigen ist da nichts, wenn Coriolan vor den Toren steht, statt als Schützer auf den Wällen. Er muß zurückgerufen werden; er muß gebeten werden, abzuziehen; er muß um Schonung angefleht werden.

Der Konsul Cominius versucht’s; umsonst. Coriolan weiß nichts andres als: Rom muß brennen. Hängt sie! hatte er, wie gewohnt, einmal unwillig vor sich hingebrummt; und die Mutter, um ihn freundschaftlich mahnend zur Besinnung zu bringen, hatte ironisch fortgesetzt: Und brennt sie! Nun soll Ernst daraus werden; Coriolan hat den roten Blick und sieht nichts mehr vor sich als Flammen. Cominius erinnert ihn wohl an seine nächsten Freunde und Angehörigen; er aber ist in der Verfassung des Würgengels, der keine Schonung, keine Unterscheidung mehr kennt:

Torheit

Wär’s, kränkenden Gestank nicht zu verbrennen

Um ein, zwei Körner willen.

Und der alte Menenius ächzt, wie er das hört: Eins von den Körnern bin ich; und seine Mutter, sein Weib, sein Kind! Für diese Volkstribunen sollen wir mitverbrannt werden!