Wie der, aus dem man Träume macht; ein Schlaf

Hält unser Stückchen Leben rings umgürtet.

Man hat gezeigt, daß diese Worte Ähnlichkeit mit einigen Verszeilen haben, die sich in einer 1603 erschienenen Tragödie des Lord Stirling finden. Das ist nicht wichtig. Wichtiger ist mir, daß das ganze modische Maskenspiel, das Prospero vor Ferdinand und Miranda von seiner kleinen Geistertruppe in den Lüften aufführen läßt, eben um dieser Worte willen, die daran anknüpfen, hauptsächlich veranstaltet scheint. Derart ist Shakespeares Technik in dieser Zeit; wir haben Ähnliches vorhin bei Gelegenheit der Dialoge gesehen, die Alonsos Schweigsamkeit umklingen. Ein wenig kann bei der Maske, die aufgeführt wird, mitbeabsichtigt sein, noch einmal die bräutliche Beherrschung des Geschlechtstriebs hervorzuheben, die Prospero dem jungen Menschenpaar, fast noch zwei Kindern, auferlegt hat. Das steht mit dem Sinn des Dramas, der Überwindung des Triebs durch den Geist, wohl aber auch in seiner fast etwas schrullenhaften Gestalt mit unauslöschlichen persönlichen Erfahrungen Shakespeares aus der Jugendzeit in Verbindung.

Wir hören es aus den Worten von der Vergänglichkeit, die Prospero zu Ferdinand spricht: die Heiterkeit, zu der der Herrscher im Geistland schließlich gelangt ist, ruht auf schwerster Melancholie; und seine Güte zu den Menschen ist mit Lebensmüdigkeit und Menschenverachtung verbunden; und dieser Stimmung widerspricht nichts in dem Stück; die Utopie eines goldnen Zeitalters in Kommunismus und südlichem dolce far niente, die Gonzalo nach Montaigne vorträgt, kommt nur als Erheiterung für den Trübsinn des Königs, als schönes Bild, als Scherz, keineswegs gläubig heraus; und wenn Prospero nicht Geisterfüllte, Seelenvolle, wenn er nicht Ausnahmen und seines Gleichen kennte, wenn er nicht seine Hoffnung auf das junge liebende Paar und damit auf die kommenden Geschlechter setzte, wäre ihm Welt und Leben nicht mehr zu ertragen.

Schön ist es, daß diese Worte von der Vergänglichkeit aller Dinge der Welt, von der Traumhaftigkeit und Schlafumgürtung des Menschenlebens ihren Platz am Sockel von Shakespeares Denkmal in der Westminsterabtei gefunden haben.

Wie das Leben von Schlaf und Traum, so ist dieses Vermächtnisdrama Shakespeares von Musik umringt. Wir hören es gleich noch, wie jetzt für Prospero-Shakespeare an Stelle der dämonisch leidenschaftlichen Magie die heilende, lösende Musik der neue, der luftgleiche, verschwebende, leicht sich wiegende, spielerische, immaterielle Zauber sein soll. Was es mit dieser Musik, der nämlichen, von der schon Lorenzo im Kaufmann von Venedig so feierlich sprach, auf sich hat, sagt uns der Dichter auch mit dem entzückenden Orpheuslied, das er um dieselbe Zeit, in der er den Sturm dichtete, in seinem Heinrich VIII. der unglücklichen Königin Katharina vorsingen läßt:

Orpheus beugt der Bäume Wipfel,

Und der Berge eisige Gipfel

Seiner Leier süß Getön.

Blum’ und Pflanze blüht entgegen,