Die Lieb’ ist wahr und mäßig; Wollust praßt
Und wird erstickt von ihrer Lügen Last.
Und wie großer Art ist die Schlußrede der Venus, ihre Klage um Adonis, der der Welt verloren ging, und ihr Fluch auf die Liebe:
Weil Eros nicht mehr da ist, soll sich nun, muß sich nun Leid und Eifersucht, Qual und Gift und Treulosigkeit mit der Liebe verbinden; Krieg und Feindschaft zwischen Nächstverwandten wird sie hervorrufen, in allem Bösen sich einnisten, alles Gute untergraben.
Oder wie groß, wie stark, wie eindringlich ist die Darstellung von Tarquins Ernüchterung, nachdem die Wollust ihn zur Notzucht getrieben hat; wie findet das menschlich Wahre im Allegorischen leidenschaftlich innigen Ausdruck, wenn das Gierverlangen nun wie ein bankrotter Bettler matt und elend geworden ist, und seine Seele nun klagend zu ihm spricht:
Lebend’ger Tod und ew’ges Leid
Sind nun mein Los; empörte Knechte haben
Mein Heiligtum zertrümmert und entweiht;
Die Sünden meiner Sterblichkeit begraben
Im Schutt der Schande die Unsterblichkeit;