Da ermuntert ihn der immer noch unerkannte Sohn Edgar, mit Worten, in denen zugleich Resignation und Tatkraft liegt: über nichts verzweifeln, alles tragen, nicht aber es stumpf über sich ergehen lassen:

Dulden muß der Mensch

Sein Scheiden wie sein Kommen in die Welt.

Reif sein ist alles.

In alledem haben wir je nach Charakter, Stimmung, Situation wechselnde Gefühle, Gedanken, Bereitschaften angesichts großen Unglücks; und immer versucht der Mensch, Himmel und Erde in Verbindung zu bringen oder ohne das auszukommen. Aber auch, wenn große, innige Seligkeit zu einem kommt oder wenn gar die Gleichzeitigkeit und das Ineinander des Bösen und des Guten gewahrt wird, ist der Mensch geneigt, den Himmel zur Erde hinabzuziehen und das Wunderbare als geheimen Zusammenhang zu erfassen. Wie Kent die Güte seines Lieblings Cordelia und die Bosheit ihrer Schwestern betrachtet, ist es ihm, als reichten irdische Gründe zur Erklärung des Warum all der Rätsel hier auf Erden nicht aus. Es muß eine überirdische Lenkung da sein; ein uns unbegreifliches Verhängnis, das in den Sternen geschrieben steht:

Die Sterne,

Die Sterne droben leiten unser Schicksal.

Wie könnte sonst ein Paar wohl Kinder zeugen,

So ganz verschieden?

Die Szene am Schluß aber, wie Lear, selbst ein Sterbender, schwach, taumelnd, die Leiche der grauenhaft ermordeten Cordelia auf den Armen herein trägt, wie nun sein letztes Leben als Leidenschaft aufschreit, diese Szene hat wahrhaft Weltuntergangsstimmung: