Es ist fast wie ein landschaftliches, ein Natursymbol dieser wogenden Stimmung — wie’s uns anders, aber doch verwandt dann wieder im Sturm begegnet —, daß wir in diesem weiten Drama immer wieder auf die Wasserfluten, des Meeres und des Stromes, geführt werden: es ist in diesem Stück etwas Weiches, Wogendes, Nebeldunstiges, feucht Dahinrinnendes; es fehlt nicht an Sonne, aber es ist die Sonne, die Maden ausbrütet; wir schwimmen auf einem Flusse wohliger Lust, und wo wir dem Feuchten entsteigen, kommen wir doch nicht aufs feste, sichere, trockene Land, sondern in die fruchtbar-schwüle Sumpfniederung des Nils.
Auf einem Flusse ist Cleopatra allererst dem Antonius entgegengefahren; drüben in Kleinasien war’s; auf dem Kydnus in Kilikien. Das üppige prächtige Bild dieser Begegnung stammt ursprünglich von Plutarch; wir haben es nun, wie eine zauberhafte Wirklichkeit, die aus Geschichte zur Sage geworden ist, in den Farben, in denen es Shakespeare für alle Sinne gemalt hat und die noch frisch und strahlend sein werden, wenn das Bild, das Makart aus der Szene gemacht hat, längst chemisch zersetzt sein wird:
Die Barke, drin sie saß, brannt’ auf dem Wasser
Hellstrahlend wie ein Thron; getriebnes Gold
Des Schiffes Spiegel; purpurrot die Segel
Und so durchduftet, daß die Winde sich
In Liebesweh verfingen. Silberruder
Regten im Takt sich nach dem Ton der Flöten,
Und wie in Sehnsucht folgten die Gewässer.
Und nun sie selbst! Der Schildrer wird zum Bettler!