Du mußt dich vom Leibe trennen, aber nicht, als wolltest du ihn verlassen: — du mußt dich von ihm lösen, wie jemand, der Licht von Wärme scheidet.
Schon hier lauert der erste Feind.
Wer sich vom Körper losreißt, um durch den Raum zu fliegen, der geht den Weg der Hexen, die nur einen gespenstischen Leib aus dem groben, irdischen herausgezogen haben und auf ihm wie auf einem Besen zur Walpurgisnacht reiten.
Die Menschheit hat sich aus richtigem Instinkt eine Brustwehr gegen diese Gefahr errichtet, indem sie ein Lächeln über die Möglichkeit solcher Künste bereit hält. — Du brauchst als Schutz den Zweifel nicht mehr — du hast in dem, was ich dir gegeben habe, ein besseres Schwert. Die Hexen glauben, auf dem Sabbat des Teufels zu sein, und in Wirklichkeit liegt ihr Körper bewußtlos und starr in der Kammer. Sie vertauschen bloß die irdische Wahrnehmung gegen eine geistige — sie verlieren das Bessere, um das Schlechtere zu gewinnen; — es ist ein Ärmerwerden statt ein Reichersein.
Schon daraus siehst du, daß es nicht der Weg des Erwachens sein kann. — Um zu begreifen, daß du nicht dein Körper bist, — wie die Menschen von sich wähnen, — mußt du erkennen, mit welchen Waffen er kämpft, um die Herrschaft über dich zu behaupten. — Jetzt stehst du freilich noch so tief in seiner Gewalt, daß dein Leben erlischt, wenn sein Herz aufhört zu schlagen, und du in Nacht versinkst, sobald er die Augen schließt. Du glaubst, du könntest ihn bewegen, — es ist eine Täuschung: nein, er bewegt sich und nimmt nur deinen Willen zu Hilfe. Du glaubst, du schaffst Gedanken: nein, er schickt sie dir, damit du meinst, sie kämen von dir, und alles tust, was er will.
Setz’ dich aufrecht hin und nimm dir vor, kein Glied zu rühren, mit keiner Wimper zu zucken und regungslos zu bleiben wie eine Bildsäule, und du wirst sehen, daß er haßentbrannt augenblicklich über dich herfällt und dich zwingen will, ihm wieder untertan zu sein. — Mit tausend Waffen wird er auf dich losstürzen, bis du ihm wieder erlaubst, sich zu bewegen. — An seiner grimmigen Wut und der überstürzten Kampfesweise, mit der er Pfeil auf Pfeil auf dich abschießt, kannst du ersehen, wenn du schlau bist, wie bange ihm um seine Herrschaft sein muß und wie groß deine Macht, daß er sich so vor dir fürchtet.
Aber es steckt dabei noch eine List von ihm dahinter: er will dich glauben machen, daß hier, im äußern Willen, die Entscheidungsschlacht um das Szepter geschlagen wird; nein, es sind nur Scharmützel, die er dich, wenn’s sein muß, gewinnen läßt, um dich dann um so tiefer unter’s Joch zu beugen.
Diejenigen, die solches Geplänkel gewinnen, werden die ärmsten Sklaven — sie dünken sich Sieger und tragen auf der Stirn das Schandmal: ‚Charakter‘.
Deinen Körper zu bändigen, ist nicht der Zweck, den du verfolgst. Wenn du ihm verbietest, sich zu bewegen, so sollst du es nur deshalb tun, damit du die Kräfte kennen lernst, über die er gebietet. Es sind Heerscharen, fast unüberwindlich durch ihre Zahl. Er wird sie gegen dich in den Kampf schicken, eine nach der andern, wenn du nicht nachläßt, mit dem so einfach scheinenden Mittel des Stillsitzens: zuerst die rohe Gewalt der Muskeln, die beben und zittern wollen, — das Sieden des Blutes, das dir den Schweiß ins Gesicht treibt, — das Hämmern des Herzens, — das Frösteln der Haut, bis dein Haar sich sträubt, — das Schwanken des Leibes, das dich durchfährt, — als habe die Schwerkraft die Achse verändert, — sie alle kannst du besiegen, — scheinbar durch den Willen — dennoch ist es nicht der Wille allein: es ist in Wahrheit bereits ein höheres Wachsein, das unsichtbar hinter ihm steht in der Tarnkappe.
Auch dieser Sieg ist wertlos; selbst, wenn du Herr würdest über Atmung und Herzschlag, wärest du nur ein Fakir — ein ‚Armer‘ auf deutsch.