An der Wand über der Bühne leuchteten in winzigen Glühbirnen Buchstaben auf:

! La Force d’Imagination !

und ein französisch friseurhaft aussehender Herr in Smoking und weißen Handschuhen, mit schütterem Haar und Spitzbart, schlaffen, gelben Hängebacken, eine kleine rote Rosette im Knopfloch und tiefe Schatten um die Augen, trat aus dem Vorhang heraus, verbeugte sich und setzte sich stumm auf einen Sessel inmitten des Podiums.

Hauberrisser nahm an, es werde irgendein mehr oder weniger zweideutiger Vortrag, wie man sie in Kabaretts zu hören bekommt, folgen, und blickte ärgerlich weg, als der Darsteller — ob aus Verlegenheit, oder sollte ein ordinärer Witz daraus werden? — an seiner Toilette zu nesteln begann.

Eine Minute verging, und noch immer herrschte lautlose Stille im Saal und auf der Bühne.

Dann setzten gedämpft zwei Geigen im Orchester ein, und wie aus weiter Ferne blies schmachtend ein Waldhorn: „Behüt’ dich Gott, es wär zu schön gewesen, behüt’ dich Gott, es hat nicht sollen sein.“

Erstaunt nahm Hauberrisser seinen Operngucker und schaute auf die Bühne.

Vor Entsetzen fiel ihm beinahe das Glas aus der Hand. Was war das! War er plötzlich wahnsinnig geworden? Kalter Schweiß trat ihm auf die Stirne — kein Zweifel, ja, er war wahnsinnig geworden! Unmöglich konnte das, was er sah, in Wirklichkeit auf dem Podium — hier vor hunderten von Zuschauern, Damen und Herren der noch vor Monaten vornehmsten Kreise — stattfinden.

Vielleicht in einer Hafenschenke am Nieuwe Dyk oder als medizinisches Kuriosum in einem Hörsaal, aber hier?!

Oder träumte er? War ein Wunder geschehen und der Zeiger der Zeit in die Epoche Ludwigs XV. zurückgesprungen? — — —