Erschüttert legte ich den Stahlgriffel weg. Unfaßbar, was in der kurzen Spanne Zeit in mein Leben getreten war!

Wie jemand, der sich plötzlich in eine unabsehbare Sandwüste versetzt sieht, wurde ich mir mit einem Schlage der tiefen, riesengroßen Einsamkeit bewußt, die mich von meinen Nebenmenschen trennte.

Konnte ich je mit einem Freund — Hillel ausgenommen — davon reden, was ich erlebt?

Wohl war mir in den stillen Stunden der verflossenen Nächte die Erinnerung wiedergekehrt, daß mich all meine Jugendjahre — von früher Kindheit angefangen — ein unsagbarer Durst nach dem Wunderbaren, dem jenseits aller Sterblichkeit Liegenden, bis zur Todespein gefoltert hatte, aber die Erfüllung meiner Sehnsucht war wie ein Gewittersturm gekommen und erdrückte den Jubelaufschrei meiner Seele mit ihrer Wucht.

Ich zitterte vor dem Augenblick, wo ich zu mir selbst kommen und das Geschehene in seiner vollen, markverbrennenden Lebendigkeit als Gegenwart empfinden mußte.

Nur jetzt sollte es noch nicht kommen! Erst den Genuß auskosten: Unaussprechliches an Glanz auf sich zukommen zu sehen!

Ich hatte es doch in meiner Macht! Brauchte nur hinüberzugehen in mein Schlafzimmer und die Kassette aufzusperren, in der das Buch Ibbur, das Geschenk der Unsichtbaren, lag!

Wie lang war’s her, da hatte es meine Hand berührt, als ich Angelinas Briefe dazuschloß!

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Dumpfes Dröhnen draußen, wie von Zeit zu Zeit der Wind die angehäuften Schneemassen von den Dächern hinab vor die Häuser warf, gefolgt von Pausen tiefer Stille, da die Flockendecke auf dem Pflaster jeden Laut verschlang.