Konnte ich es noch beschönigen? Wurde es dann nicht weit schlimmer?
Ich nahm einen Anlauf:
„Hören Sie mich ruhig an, Mirjam! Ich bitte Sie darum. — Ich schulde Ihrem Vater so unendlich viel, — Sie können das gar nicht ermessen — —“
Sie sah mich unsicher an; verstand offenbar nicht.
„— ja ja: unendlich viel. Mehr als mein Leben.“
„Weil er Ihnen damals beistand, als Sie ohnmächtig wurden? Das war doch selbstverständlich.“
Ich fühlte: sie wußte nicht, welches Band mich mit ihrem Vater verknüpfte. Vorsichtig sondierte ich, wie weit ich gehen durfte, ohne zu verraten, was er ihr verschwieg.
„Weit höher als äußere Hilfe, dächte ich, ist die innere zu stellen. — Ich meine die, die aus dem geistigen Einfluß eines Menschen auf den andern überstrahlt. — Verstehen Sie, was ich damit sagen will, Mirjam? — Man kann jemand auch seelisch heilen, nicht nur körperlich, Mirjam.“
„Und das hat — —?“
„Ja, das hat Ihr Vater an mir getan!“ — ich faßte sie an der Hand, — „begreifen Sie nicht, daß es mir da ein Herzenswunsch sein muß, wenn schon nicht ihm, so doch jemand, der ihm so nahesteht wie Sie, irgendeine Freude zu bereiten? — Haben Sie nur ein ganz klein wenig Vertrauen zu mir! — Gibt’s denn gar keinen Wunsch, den ich Ihnen erfüllen könnte?“