Wartete wohl eine Viertelstunde: vielleicht ließ „es“ sich verleiten und schlich von rückwärts an mich heran — und ich konnte es ertappen?!
Mit einem Ruck fuhr ich herum: wieder nichts.
Dasselbe markverzehrende „Nichts“, das nicht war und doch das Zimmer mit seinem grausigen Leben erfüllte.
Wenn ich hinausliefe? Was hinderte mich?
„Es würde mit mir gehen,“ wußte ich sofort mit unabweisbarer Sicherheit. Auch, daß es mir nichts nützen könnte, wenn ich Licht machte, sah ich ein, — dennoch suchte ich so lang nach dem Feuerzeug, bis ich es gefunden hatte.
Aber der Kerzendocht wollte nicht brennen und kam lang aus dem Glimmen nicht heraus: die kleine Flamme konnte nicht leben und nicht sterben, und als sie sich endlich doch ein schwindsüchtiges Dasein erkämpft hatte, blieb sie glanzlos wie gelbes, schmutziges Blech. Nein, da war die Dunkelheit noch besser.
Ich löschte wieder aus und warf mich angezogen übers Bett. Zählte die Schläge meines Herzens: eins, zwei, drei — vier ... bis tausend, und immer von neuem — Stunden, Tage, Wochen, wie mir schien, bis meine Lippen trocken wurden und das Haar sich mir sträubte: keine Sekunde der Erleichterung.
Auch nicht eine einzige.
Ich fing an, mir Worte vorzusagen, wie sie mir gerade auf die Zunge kamen: „Prinz“, „Baum“, „Kind“, „Buch“ — und sie krampfhaft zu wiederholen, bis sie plötzlich als sinnlose, schreckhafte Laute aus barbarischer Vorzeit nackt mir gegenüberstanden, und ich mit aller Kraft nachdenken mußte, in ihre Bedeutung zurückzufinden: P—r—i—n—z? — B—u—ch?
War ich nicht schon wahnsinnig? Oder gestorben? — Ich tastete an mir herum.