Langsam wurde mir endlich klar, daß ein seltsames Wesen vor mir stand — vielleicht schon, seit ich hier saß, dagestanden hatte — und mir die Hand hinstreckte:

Ein graues, breitschultriges Geschöpf, in der Größe eines gedrungen gewachsenen Menschen, auf einen spiralförmig gedrehten Knotenstock aus weißem Holz gestützt.

Wo der Kopf hätte sitzen müssen, konnte ich nur einen Nebelballen aus fahlem Dunst unterscheiden.

Ein trüber Geruch nach Sandelholz und nassem Schiefer ging von der Erscheinung aus.

Ein Gefühl vollkommenster Wehrlosigkeit raubte mir fast die Besinnung. Was ich die ganze lange Zeit an nervenzernagender Qual mitgemacht, drängte sich jetzt zu Todesschrecken zusammen und war in diesem Wesen zur Form geronnen.

Mein Selbsterhaltungstrieb sagte mir, ich würde wahnsinnig werden vor Entsetzen und Furcht, wenn ich das Gesicht des Phantoms sehen könnte, — warnte mich davor, schrie es mir in die Ohren — und doch zog es mich wie ein Magnet, daß ich den Blick von dem fahlen Nebelballen nicht wenden konnte und darin forschte nach Augen, Nase und Mund.

Aber so sehr ich mich auch abmühte: der Dunst blieb unbeweglich. Wohl glückte es mir, Köpfe aller Art auf den Rumpf zu setzen, doch jedesmal wußte ich, daß sie nur meiner Einbildungskraft entstammten.

Sie zerrannen auch stets — fast in derselben Sekunde, wo ich sie geschaffen hatte.

Nur die Form eines ägyptischen Ibiskopfs blieb noch am längsten bestehen.

Die Umrisse des Phantoms schleierten schemenhaft in der Dunkelheit, zogen sich kaum merklich zusammen und dehnten sich wieder aus, wie unter langsamen Atemzügen, die die ganze Gestalt durchliefen, die einzige Bewegung, die zu bemerken war. Statt der Füße berührten Knochenstumpen den Boden, von denen das Fleisch — grau und blutleer — auf Spannenbreite zu wulstigen Rändern emporgezogen war.