Wieder das Gemecker hinter dem Schreibtisch und wieder das:
„Führen Sie den Mann hinaus, Gefangenwärter!“ — — —
Meine Besorgnis um Angelina war einer dumpfen Resignation gewichen: Der Zeitpunkt, wo ich um sie zittern mußte, war vorüber. Entweder Wassertrums Racheplan war längst geglückt, oder Charousek hatte eingegriffen, sagte ich mir.
Aber die Sorge um Mirjam trieb mich jetzt fast zum Wahnsinn.
Ich stellte mir vor, wie sie Stunde um Stunde darauf wartete, daß sich das Wunder erneuere, — wie sie früh am Morgen, wenn der Bäcker kam, hinauslief und mit bebenden Händen das Brot untersuchte, — wie sie vielleicht um meinetwillen vor Angst verging.
Oft in der Nacht peitschte es mich aus dem Schlaf, und ich stieg auf das Wandbrett und starrte empor zu dem kupfernen Gesicht der Turmuhr und verzehrte mich in dem Wunsch, meine Gedanken möchten zu Hillel dringen und ihm ins Ohr schreien, er solle Mirjam helfen und sie erlösen von der Qual des Hoffens auf ein Wunder.
Dann wieder warf ich mich auf das Stroh und hielt den Atem an, bis mir die Brust fast zersprang, — um das Bild meines Doppelgängers vor mich zu zwingen, damit ich ihn zu ihr schicken könnte als einen Trost.
Und einmal war er auch erschienen neben meinem Lager mit den Buchstaben: Chabrat Zereh Aur Bocher in Spiegelschrift auf der Brust, und ich wollte aufschreien vor Jubel, daß jetzt alles wieder gut würde, aber er war in den Boden versunken, noch ehe ich ihm den Befehl geben konnte, Mirjam zu erscheinen. — —
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Daß ich so gar keine Nachricht bekam von meinen Freunden!