Lange konnte ich kein Wort sprechen. Seine Rede hatte mich fast betäubt.
„Weshalb fragten Sie mich vorhin so ängstlich nach meinen Erlebnissen, wo Sie doch so viel, viel höher stehen als ich?“, fing ich endlich wieder an.
„Sie irren,“ sagte Laponder, „ich stehe weit unter Ihnen. — Ich fragte Sie, weil ich fühlte, daß Sie den Schlüssel besitzen, der mir noch fehlte.“
„Ich? Einen Schlüssel? O Gott!“
„Jawohl Sie! Und Sie haben ihn mir gegeben. — Ich glaube nicht, daß es einen glücklicheren Menschen auf Erden gibt, als ich es heute bin.“
Draußen entstand ein Geräusch; die Riegel wurden zurückgeschoben, — Laponder achtete kaum darauf:
„Das mit dem Hermaphroditen war der Schlüssel. Jetzt habe ich die Gewißheit. Schon deshalb bin ich froh, daß man mich holen kommt, denn bald bin ich am Ziel.“
Vor Tränen konnte ich Laponders Gesicht nicht mehr unterscheiden, ich hörte nur das Lächeln in seiner Stimme.
„Und jetzt: leben Sie wohl, Herr Pernath, und denken Sie: das, was man morgen aufhenkt, sind nur meine Kleider; Sie haben mir das Schönste eröffnet, — das Letzte, was ich noch nicht wußte. Jetzt geht’s zur Hochzeit — — — —,“ er stand auf und folgte dem Gefangenwärter — „es hängt mit dem Lustmord eng zusammen“, waren die letzten Worte, die ich hörte und nur dunkel begriff.
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