„Laponder hat er geheißen, der Schuft, der gottserbärmliche“, schrie ein Kerl mit einer Raubtierschnauze, der wegen Kindsmißhandlung zu — 14 Tagen Gefängnis verurteilt worden war, dazwischen. „Auf frischer Tat habn’s’n g’faßt. Die Lampen is umg’fallen bei dem Krawall und’s Zimmer is ausbrennt. Die Leich’ von dem Madel is dabei so verkohlt, daß mer bis zum heutigen Tage noch nöt hat rausbringen können, wer sie eigentlich war. Schwarze Haar hat’s g’habt und a schmal’s G’sicht, dös is alls, was mer weiß. Und der Laponder hat net ums Verrecken rausg’ruckt mit ihrem Namen. — Wann’s nach mir gangen wär, i hätt ihm d’Haut ab’zogen und Pfeffer drauf g’streut. — Dös san halt die feinen Herren! Mörder san’s, alle z’samm. — — — — Als ob’s net anderne Mittel g’nua gebet, wann aner a Madel los sein wüll“, setzte er mit zynischem Lächeln hinzu.
Die Wut kochte in mir und am liebsten hätte ich den Halunken zu Boden geschlagen.
Nacht für Nacht schnarchte er in dem Bett, auf dem Laponder gelegen. Ich atmete auf, als er endlich freigelassen wurde.
Aber selbst da war ich ihn noch nicht los. Seine Rede hatte sich wie ein Pfeil mit Widerhaken in mich eingebohrt.
Fast beständig, hauptsächlich in der Dunkelheit, nagte jetzt in mir der grausige Verdacht, Mirjam könne das Opfer Laponders gewesen sein.
Je mehr ich dagegen ankämpfte, desto tiefer verstrickte ich mich in dem Gedanken, bis er beinahe zur fixen Idee wurde.
Manchmal, besonders wenn der Mond grell durchs Gitter schien, wurde es besser: ich konnte mir die Stunden, die ich mit Laponder verlebt, dann lebendig machen, und das tiefe Gefühl für ihn verscheuchte mir die Qual, — aber nur zu oft kamen die gräßlichen Minuten wieder, wo ich Mirjam ermordet und verkohlt im Geiste vor mir sah und glaubte, vor Angst den Verstand verlieren zu müssen.
Die schwachen Anhaltspunkte, die ich für meinen Verdacht hatte, verdichteten sich in solchen Zeiten zu einem geschlossenen Ganzen, — zu einem Gemälde voll unbeschreiblich entsetzenerregender Einzelheiten.
Anfangs November gegen 10 Uhr abends, es war bereits stockfinster und die Verzweiflung in mir hatte einen derartigen Höhepunkt erreicht, daß ich mich, um nicht laut aufzuschreien, in meinen Strohsack verbiß wie ein verdurstendes Tier, öffnete plötzlich der Gefangenwärter die Zelle und forderte mich auf, mit ihm zum Untersuchungsrichter zu kommen. Ich fühlte mich so schwach, daß ich mehr taumelte als ging.
Die Hoffnung, jemals dieses schreckliche Haus verlassen zu dürfen, war längst in mir gestorben.