Schnarrende Klänge einer Harfe machten das Stimmengewirr im Zimmer verlöschen.
Eine Sekunde eine rhythmische Pause.
Totenstille, als hielte alles den Atem an.
Mit erschreckender Deutlichkeit hörte man plötzlich wie die eisernen Gasstäbe fauchend die flachen herzförmigen Flammen aus ihren Mündern in die Luft bliesen — — dann fiel die Musik über das Geräusch her und verschlang es.
Als wären sie soeben erst entstanden, tauchten da zwei seltsame Gestalten aus dem Tabakqualm vor meinem Blick empor.
Mit langem, wallendem, weißem Prophetenbart, ein schwarzseidenes Käppchen — wie es die alten jüdischen Familienväter tragen — auf dem Kahlkopf, die blinden Augen milchbläulich und gläsern — starr zur Decke gerichtet — saß dort ein Greis, bewegte lautlos die Lippen und fuhr mit dürren Fingern wie mit Geierkrallen in die Saiten einer Harfe. Neben ihm in speckglänzendem, schwarzem Taffetkleid, Jettschmuck und Jettkreuz an Hals und Armen — ein Sinnbild erheuchelter Bürgermoral — ein schwammiges Weibsbild, die Ziehharmonika auf dem Schoß.
Ein wildes Gestolper von Klängen drängte sich aus den Instrumenten, dann sank die Melodie ermattet zur bloßen Begleitung herab.
Der Greis hatte ein paarmal in die Luft gebissen und riß den Mund weit auf, daß man die schwarzen Zahnstumpen sehen konnte. Langsam aus der Brust herauf rang sich ihm, von seltsamen hebräischen Röchellauten begleitet, ein wilder Baß:
„Roo — n — te, blau — we Stern — —“
„Rititit“ (schrillte das Weibsbild dazwischen und schnappte sofort die keifigen Lippen zusammen, als habe sie schon zuviel gesagt)