Sein „Du“ und die Bemerkung, daß er mich erwartet habe, hatten also mir gegolten!?

Viel befremdender als diese beiden Umstände an sich wirkte es auf mich, daß ich nicht imstande war, auch nur die geringste Verwunderung darüber zu empfinden.

Hillel erriet offenbar meine Gedanken, denn er lächelte freundlich, wobei er mir von der Bahre aufstehen half und mit der Hand auf einen Sessel wies, und sagte:

„Es ist auch nichts Wunderbares dabei. Schreckhaft wirken nur die gespenstischen Dinge — die Kischuph — auf den Menschen; das Leben kratzt und brennt wie ein härener Mantel, aber die Sonnenstrahlen der geistigen Welt sind mild und erwärmend.“

Ich schwieg, da mir nichts einfiel, was ich ihm hätte erwidern sollen. Er schien auch keine Gegenrede erwartet zu haben, setzte sich mir gegenüber und fuhr gelassen fort: „Auch ein silberner Spiegel, hätte er Empfindung, litte nur Schmerzen, wenn er poliert wird. Glatt und glänzend geworden, gibt er alle Bilder wieder, die auf ihn fallen, ohne Leid und Erregung.“

„Wohl dem Menschen“, setzte er leise hinzu, „der von sich sagen kann: Ich bin geschliffen.“ — Einen Augenblick versank er in Nachdenken, und ich hörte ihn einen hebräischen Satz murmeln: „Lischuosècho Kiwisi Adoschem.“ Dann drang seine Stimme wieder klar an mein Ohr:

„Du bist zu mir gekommen in tiefem Schlaf und ich habe dich wach gemacht. Im Psalm David heißt es:

Da sprach ich in mir selbst: jetzt fange ich an: Die Rechte Gottes ist es, welche diese Veränderung gemacht hat.

Wenn die Menschen aufstehen von ihren Lagerstätten, so wähnen sie, sie hätten den Schlaf abgeschüttelt, und wissen nicht, daß sie ihren Sinnen zum Opfer fallen und die Beute eines neuen viel tieferen Schlafes werden, als der war, dem sie soeben entronnen sind. Es gibt nur ein wahres Wachsein und das ist das, dem du dich jetzt näherst. Sprich den Menschen davon und sie werden sagen, du seist krank, denn sie können dich nicht verstehen. Darum ist es zwecklos und grausam, ihnen davon zu reden.

Sie fahren dahin wie ein Strom —