„Welche Tat hat denn sein Herz so weiß gemacht?“ fragte er endlich.

Der schwarze Rabe aber war mürrisch und mühte sich unablässig, über seinen eigenen Schatten zu springen.

„Welche Tat, welche Tat, welche Tat?“ quälte der Mann ruhelos.

Da fuhr der Rabe zornig auf: „Glaubst du, Taten können weiß machen? Du... Du... kannst ja nicht einmal eine Tat tun! — Eher spränge ich noch über meinen Schatten. Der morsche Hampelmann auf dem kleinen Grab — siehst du ihn? er gehörte einst dem Kinde dort unten — der morsche Hampelmann glaubte auch eine lange Zeit, er fuchtle in der Welt herum. Weil er die Schnüre nicht sah, an denen er hing, und es nicht wahr haben wollte, daß ein Kind mit ihm spiele. Und du!? Und du!? Was glaubst du wohl, wird mit dir sein, wenn das — — >Kind< ein anderes Spielzeug sucht! — Wirst alle viere von dir strecken und ver— — —“, der Rabe blinzelte listig zur Mauer hin, — „und ver— — —“

„— — —recken!“ krächzte die Rabenschar, fröhlich, daß sie auch einmal dran kam.

Da erschrak der Mann im Hemde ganz außerordentlich.

„Und was denn sonst hat sein Herz so weiß gemacht? Hörst du denn nicht — was denn sonst hat sein Herz so weiß gemacht?“ fragte er.

Unschlüssig trat der Rabe von einem Bein aufs andere: „Es muß wohl die Sehnsucht gewesen sein. Die Sehnsucht nach etwas Verborgenem, das ich nicht kenne und auf der Erde nirgends gefunden habe. Wir alle sahen seine Sehnsucht wachsen wie ein Feuer und begriffen es nicht; — es verbrannte sein Blut und endlich sein Hirn — — wir begriffen es nicht — —“

Den Mann im Hemde faßte es eiskalt an: — — — — Es Schien Das Licht In Der Finsternis, Und Die Finsternisse Haben Es Nicht Begriffen — —!

— — — „ja, wir begriffen es nicht,“ fuhr der Rabe fort, „doch einer der gigantischen schimmernden Vögel, die im Weltenraume unbeweglich schweben seit Anbeginn, erspähte die flammende Lohe und stieß herab. — Wie Weißglut. Und er hat auf jenes Menschen Herz gebrütet Nacht um Nacht.“