Eine ganze Stunde noch blieb der Alte in tiefem Grübeln stehen; alles, was er je über Sinnestäuschungen gelesen und gehört, ließ er an seinem Geist vorüberziehen.
Vergebens!
Die Nacht fällt rasch und kalt vom Himmel im Pundshab; fröstelnd knöpfte sich der alte Löwe zu und ging in seine Höhle.
Aber er konnte keinen Schlaf finden, und als das gigantische Katzenauge des Vollmondes grünlich durch die Wolken starrte, brach er auf und setzte der geflohenen Herde nach.
Gegen Morgengrauen erst fand er Alois — die Blumenkränze noch im Haar — süß schlummernd hinter einem Strauche.
Er legte ihm die Pranke auf die Brust, und mit entsetztem „Bäh!“ fuhr Alois aus dem Schlafe.
„Herr, so sagen Sie doch nicht immer ‚bäh!‘. Sind Sie denn wahnsinnig? Sie sind doch ein Löwe, um Gottes willen“, brüllte ihn der Alte an.
„Da irren, bitte —,“ antwortete Alois schüchtern, „ich bin ein Schaf.“
Der alte Löwe schüttelte sich vor Wut. „Sie, — wollen Sie mich vielleicht zum besten haben?! Frozzeln Sie gütigst meinetwegen die Frau Blaschke — — —.“
Alois legte die Tatze beteuernd aufs Herz, blickte ihm treuherzig ins Auge und sagte tiefbewegt: