Dr. Jorre setzt sich immer darauf, nicht etwa aus Verachtung, sondern um sie jeden Augenblick bei der Hand zu haben, — denn er liest bruchstückweise während des Essens.
Er ist überhaupt ein eigentümlicher Mensch, — ein Automat, der niemals in Eile ist, niemanden grüßt und nur das tut, was er will.
Gemütsbewegungen hat noch keiner an ihm wahrgenommen. —
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„Ich möchte mir eine Portemonnaiefabrik — egal wo, nur in Österreich muß es sein — errichten,“ sagte eines Tages ein Herr zu ihm, — „so und so viel will ich daran wenden, — können Sie mir das besorgen, — samt Maschinen, Arbeitern, Bezugs- und Absatzquellen und so weiter und so weiter, — — kurz: ganz komplett?“ —
Vier Wochen später schrieb Dr. Jorre dem Herrn, daß die Fabrikgebäude fix und fertig seien — an der ungarischen Grenze. Der Betrieb bei der Behörde angemeldet, — 25 Arbeiter und zwei Werkmeister vom Ersten des Monats ab angestellt, ebenso das kaufmännische Personal; Leder aus Budapest, — Alligatorenhäute aus Ohio unterwegs. — Bestellungen von Wiener Abnehmern zu günstigen Preisen in den Geschäftsbüchern bereits eingetragen. Bankverbindungen in den Hauptstädten angeknüpft.
Nach Abzug seines Honorars seien 5 fl. 63 Kr. von dem ihm übergebenen Gelde übrig, die sich in Briefmarken in der linken Schublade des Schreibtisches im Chefzimmer befänden.
Solche Geschäfte machte Dr. Jorre.
Zehn Jahre hatte er auf diese Art schon gearbeitet und wahrscheinlich viel Geld verdient. Jetzt stand er wieder mit einem englischen Syndikat in Unterhandlungen, und morgen früh um acht Uhr sollten sie zum Abschlusse kommen. Eine halbe Million würde Dr. Jorre dabei verdienen, meinten seine Konkurrenten. —
Es könne gar nicht mehr gelingen, ihn noch aus dem Felde zu schlagen, glaubten sie. —