Scharfe Bilder traten dem Mann im Hemde vor das Auge, Bilder, die in seinem Gedächtnis nicht hatten sterben können, — Geschehnisse im Schicksal des Müßiggängers, die immer noch von Mund zu Mund gingen unter den Leuten: — Er sah jenen Menschen unter dem Galgen stehen — — der Henker zog ihm die leinene Maske übers Gesicht — — die Feder, die das Brett unter den Füßen des armen Sünders kippen sollte, weigerte sich, — da führten sie ihn weg und rückten das Brett zurecht.

Und wieder ordnete der Henker die leinene Maske — — und wieder versagte die Feder. Und als nach einem Monat abermals der Mensch dort stand, die leinene Maske über den Augen, — — da brach die Feder.

Die Richter aber ergrimmten und bissen die Zähne zusammen über — — den Zimmermann, der den Galgen so schlecht gezimmert hatte.

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Dann verschwand die Vision.

„Und was ist aus dem Menschen geworden?“ fragte voll Grauen der Mann im Hemde.

„Ich habe sein Fleisch gefressen und seine Gebeine, die Erde ist kleiner geworden um das Stück, das sein Leib groß war“, sagte der weiße Rabe.

„Ja, ja,“ flüsterte der schwarze, „sein Sarg ist leer, er hat das Grab betrogen.“

— — Das hörte der Mann, und sein Haar sträubte sich, er zerriß sein Hemd über der Brust und lief hin zu dem weißen Vogel, der auf dem Kreuze saß: „Brüte mein Herz, brüte mein Herz! Mein Herz ist voll Sehnsucht — — —!“

Doch der schwarze Rabe warf ihn mit den Schwingen zur Erde und setzte sich schwer auf ihn — — die Luft roch nach sterbenden Blumen — — „Daß Euer Liebden nur nicht irren: Gier und nicht Sehnsucht schläft in Euer Liebden Herz! Ja, das möchte mancher gern probieren vor dem Kre — —,“ listig blinzelte er zur Mauer hin, „vor dem Kre — — —?“