Die Kraft, die in dieser abgemergelten Asketengestalt wohnte, schien unbegreiflich, und ehe wir noch zuspringen konnten, hatte der Fliehende bereits den Eingang der Grotte gewonnen.
Hinter dem Opferstein fanden wir die abgeschnittenen Köpfe der beiden Mahratten.“
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Mr. Hargrave Jennings faltete das Manuskript zusammen: „Es fehlt ein Blatt hier, ich werde Ihnen die Geschichte selber zu Ende erzählen:
„Der Ausdruck in den Gesichtern der Toten war unbeschreiblich. Mir stockt heute noch der Herzschlag, wenn ich mir das Grauen zurückrufe, das uns damals alle befiel. Furcht kann man es nicht gut nennen, was sich da in den Zügen der Ermordeten ausdrückte, — ein verzerrtes, irrsinniges Lachen schien es. — Die Lippen, die Nasenflügel emporgezogen, — der Mund weit offen und die Augen, — die Augen, — es war fürchterlich; stellen Sie sich vor, die Augen — hervorgequollen — zeigten weder Iris noch Pupille und leuchteten und funkelten in einem Glanze wie der Stein hier an Miß Hunts Ring.
Und wie wir sie dann untersuchten, zeigte es sich, daß sie wirkliche Opale geworden waren.
Auch die spätere chemische Analyse ergab nichts anderes. Auf welche Weise die Augäpfel hatten zu Opalen werden können, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Ein hoher Brahmane, den ich einmal fragte, behauptete, es geschähe durch sogenannte Tantriks (Wortzauber), — und der Prozeß gehe blitzschnell, und zwar vom Gehirn aus vor sich; doch wer vermag das zu glauben! Er setzte damals noch hinzu, daß alle indischen Opale gleichen Ursprungs seien, und daß sie jedem, der sie trüge, Unglück brächten, da sie einzig und allein Opfergaben für die Göttin Dhurga, die Vernichterin alles organischen Lebens, bleiben müßten.“
Die Zuhörer standen ganz unter dem Eindruck der Erzählung und sprachen kein Wort.
Miß Hunt spielte mit ihrem Ring. — — — —
„Glauben Sie, daß Opale wirklich deswegen Unglück bringen, Mr. Jennings?“ sagte sie endlich. „Wenn Sie es glauben, bitte, vernichten Sie den Stein!“ — — —