Wenn die Weiber Fahrräder oder Repetierpistolen gebären würden statt Kindern, sollten Sie mal sehen, wie flott da plötzlich drauflosgeheiratet würde. Ja, im güldenen Zeitalter, als die Menschen noch weniger entwickelt waren, da glaubten sie nur das, was sie ‘denken’ konnten, dann kam allmählich die Epoche, wo sie nur das glaubten, was sie fressen konnten, – aber jetzt erklimmen sie den Gipfel der Vollkommenheit, das heißt: sie halten bloß das für wirklich, was sie – verkaufen können.
Sie nehmen dabei, weil es im vierten Gebot heißt: ‘Du sollst Vater und Mutter ehren’ usw. als selbstverständlich an, daß die Maschinen, die sie in die Welt setzen und mit dem feinsten Spindelöl schmieren, derweilen sie selbst sich mit Margarine begnügen, ihnen die Mühen der Erzeugung tausendfach vergelten und Glück in jeder Form bringen werden; nur vergessen sie ganz: auch aus Maschinen können undankbare Kinder werden.
In ihrem Vertrauensdusel finden sie sich mit dem Gedanken ab, die Maschinen seien nur tote Dinge, die auf sie nicht rückwirken und die man wegwerfen könne, wenn man sie satt hat; – ja Schnecken!
Haben Sie schon mal eine Kanone beobachtet, Schätzbarster? Soll die vielleicht auch ‘tot’ sein? Ich sage Ihnen, nicht einmal ein General wird so liebevoll behandelt! Ein General kann einen Schnupfen bekommen und kein Hahn kräht danach, aber die Kanonen kriegen Schürzen um, damit sie sich nicht erkälten – oder ‘rosten’, was dasselbe ist – und Hüte auf, daß es ihnen nicht hineinregne.
Gut, es ließe sich einwenden: die Kanone brüllt nur, wenn sie mit Pulver vollgepfropft ist und das Zeichen zum Abfeuern gegeben wird, aber brüllt denn ein Tenorist nicht auch erst, wenn das Stichwort fällt, und selbst dann nur, wenn er genügend mit Musiknoten angefüllt ist? Ich sage Ihnen: im ganzen Weltraum gibt es nicht ein einziges Ding, das wirklich tot wäre.«
»Aber unsere traute Heimat, der Mond, ist doch ein abgestorbener Himmelskörper und ist doch tot?« flötete Herr Doktor Haselmayer schüchtern.
»Er ist nicht tot,« belehrte ihn der Herr Graf, »er ist nur das Gesicht des Todes. Er ist – wie soll ich es nennen – die Sammellinse, die gleich einer Zauberlaterne die lebenerzeugenden Strahlen dieser vermaledeiten protzenhaften Sonne zur verkehrten Wirkung bringt, allerlei magisches Bildwerk aus dem Hirn der Lebenden in die scheinbare Wirklichkeit hineinhext und das giftige Fluidum des Sterbens und der Verwesung in mannigfaltigster Form und Äußerung zum Keimen und Hauchen bringt. – Über die Maßen kurios – finden Sie nicht auch? –, daß die Menschen trotzdem gerade den Mond unter allen Gestirnen am meisten lieben, – besingen ihn sogar ihre Dichter, die doch im Geruch stehen, Seher zu sein, mit schwärmerischem Geseufz und Augenverdrehen, und keinem werden die Lippen blaß vor Grauen bei dem Gedanken, daß seit Millionen Jahren Monat für Monat eine blutlose kosmische Leiche die Erde umkreist! Da sind wahrlich die Hunde gescheiter – insonderheit die schwarzen –, die ziehen den Schweif ein und heulen den Mond an.«
»Schrieben Sie mir nicht unlängst, werter Herr Graf, die Maschinen seien direkt Geschöpfe des Mondes? Wie soll ich das verstehen?«, fragte Herr Doktor Haselmayer.
»Dann haben Sie mich falsch verstanden,« unterbrach ihn der Herr Graf. »Der Mond hat nur das Hirn der Menschen mit Ideen geschwängert durch seinen giftigen Odem, und die Maschinen sind die sichtbarliche Geburt daraus.
Die Sonne hat den Sterblichen den Wunsch in die Seele gepflanzt, reicher an Freuden zu werden und schließlich den Fluch: im Schweiße des Angesichtes vergängliche Werke zu schaffen, zu zerbrechen, aber der Mond – die geheime Quelle der irdischen Formen – hat es ihnen in einen trügerischen Glast getrübet, also daß sie sich in eine falsche Imagination verliefen und nach außen – ins Greifbare – versetzten, was sie innerlich hätten anschauen sollen.