Dennoch streckte ich wie zum Schutz den Arm mit der Lampe vor.
Mochte sie dabei ein Luftzug getroffen haben oder hatte die Schlange darin den Raum im Kopfe des Götzen erreicht, sodaß der glimmende Docht zur Flamme auflodern konnte, – ich weiß es nicht. Ich weiß nur, ein blendendes Licht zersprengte mir plötzlich die Sinne, wiederum hörte ich meinen Namen rufen und dann fiel ein schwerer Gegenstand dumpf krachend hin. – –
Es muß wohl mein eigener Körper gewesen sein, denn, als ich einen Moment meine Augen aufschlug, bevor ich das Bewußtsein verlor, sah ich: ich lag auf dem Boden, und der Vollmond stand leuchtend über mir; – das Zimmer aber schien leer und der Tisch und die Herren waren verschwunden.
Viele Wochen lag ich in tiefer Betäubung danieder und, als ich langsam genas, erfuhr ich, – ich habe vergessen, von wem, – daß Herr Magister Wirtzigh inzwischen gestorben war und mich zum Erben seines gesamten Besitzes eingesetzt hatte.
Aber ich muß wohl noch lange das Bett hüten, und so habe ich denn Zeit, über das Geschehene nachzudenken und alles niederzuschreiben.
Nur zuweilen des Nachts kommt es gar seltsam über mich und mir ist, als gähne in meiner Brust ein leerer Raum, unendlich nach Osten, Süden, Westen und Norden, und mitten darin schwebt der Mond, wächst zur glänzenden Scheibe, nimmt ab, wird schwarz, taucht wieder auf als schmale Sichel, und jedesmal sind seine Phasen die Gesichter der vier Herren, wie sie zuletzt um den runden steinernen Tisch saßen. Dann lausche ich gespannt, um mich zu zerstreuen, auf das unbändige Johlen, das durch die Stille ringsum zu mir herüber dringt aus dem in der Nachbarschaft gelegenen Raubschloß des wilden Malers Kubin, der dort im Kreise seiner sieben Söhne wüste Orgien feiert bis zum Morgengrauen.
Kommt der Tag, so tritt wohl zuweilen die alte Haushälterin Petronella an mein Bett und sagt: »Nun wie geht’s denn, Herr – Herr Magister Wirtzigh?« Sie will mir nämlich weismachen, einen Grafen du Chazal habe es seit dem Jahre 1430, wo das Geschlecht erlosch, wie der Herr Pfarrer genau wisse, nicht mehr gegeben, ich sei ein Schlafwandler gewesen, in einem Anfall von Mondsucht vom Dach heruntergefallen und hätte mir jahrelang eingebildet, mein eigener Kammerdiener zu sein. Selbstverständlich gebe es auch weder einen Doktor Zagräus noch einen gewissen Sacrobosco Haselmayer.
»Den roten Tandschur, na ja, den gibt’s,« sagt sie zum Schluß jedesmal drohend. »Er liegt drüben auf dem Ofen und is a chinesisch’s Zauberbuch, hör ich. Aber mer siecht ja, was dabei ’rauskommt, wenn a Christenmensch so was liest.«
Ich schweige dazu, denn ich weiß, was ich weiß, aber, wenn die Alte hinausgegangen ist, stehe ich doch jedesmal heimlich auf, um mir Gewißheit zu verschaffen, öffne den gotischen Schrank und überzeuge mich: