Solche kräftige Sprache gehört wirklich zum groben Geschütz! Ein artiger Zufall ist es, daß 1914 eine im Gebrauch befindliche französische Bronzekanone aus dem 17. Jahrhundert erbeutet und im Lichthofe des Berliner Zeughauses ausgestellt war, in welche nachträglich die Züge eingearbeitet sind. Sie ist mit schöner Renaissanceform und Zierrat geschmückt und führt den Namen: »L’Hirondelle«, »Die Schwalbe«! Ihr Spruch lautet:

»Ultima ratio regis.«

Es zeigt sich im Gegensatz zu den vorigen Kanonen darin der Unterschied des deutschen und französischen Geistes: Der Deutsche bringt Spruch, Namen und Sinnbild und den Zweck des Geschützes in einen inneren geistigen Zusammenhang und zu kräftigem Ausdruck, er sucht in jedem Ding den tiefen inneren Sinn. Der welsche Geist ist mit dem schönen Namen und der Form zufrieden, der sinnige Zusammenhang ist ihm gleichgültig. Daß »Die Schwalbe« des alten französischen Königs der Bote für die Grüße der uns feindlichen Republik war und als ultima ratio regis von den Feldgrauen des deutschen Kaisers eingefangen wurde, das war ein besonders sinniges Spiel des Schicksals.

Diesen echt deutschen Zusammenhang zwischen Namen, Spruch, Bild und innerer Bedeutung kann man auch an den deutschen Wappensprüchen kennenlernen. Auch hier hatten die alten Freiberger Bürgergeschlechter ihre eigenartige Prägung gefunden.

So zeigt das Wappen des alten Bürgermeisters Lorenz Fleischer, † 1584, einen Mann mit Fleischerbeil und mit gewissem Bürgerstolz den Spruch:

»Es sind nicht alle Fleischhacker,

Die das Fleischbeil tragen so wacker.

Es steckt offt was darhinter mehr

Jedoch haben Handwerge auch ihr Ehr.«

Seine Gattin war eine Tochter des alten Geschlechtes der Alnpeck, das einen Adlerkopf auf schwarzem Grund im Wappen führte mit dem Spruch: