Gustav Wustmann

Gewohnheit macht den Fehler schön

Den wir von Jugend auf gesehn

Gellert

Sechste Auflage

Straßburg
Verlag von Karl J. Trübner
1912

Aus dem Vorwort des Verfassers zur dritten Auflage

Viele von denen, in deren Hände dieses Buch gekommen ist, haben es als Nachschlagebuch benutzt, als eine Art von „Duden“ für Grammatik und Stilistik. Das ist ein Irrtum. Die „Sprachdummheiten“ sind kein Sprachknecht, der auf jede grammatische oder stilistische Frage die gewünschte Antwort bereit hat, sondern ein Buch für denkende Leser, das im Zusammenhange studiert und gehörig verarbeitet sein will. Wer Nutzen davon haben will, muß sich den Geist des Buches zu eigen machen. Gewiß soll es auch der herrschenden Fehlerhaftigkeit und Unsicherheit unsers Sprachgebrauchs steuern, aber vor allem soll es doch das Sprachgefühl schärfen und dadurch das Aufkommen neuer Fehler verhüten, und seine Hauptaufgabe ist eine ästhetische: es soll der immer ärger gewordnen Steifheit, Schwerfälligkeit und Schwülstigkeit unsrer Sprache entgegenarbeiten und ihr wieder zu einer gewissen Einfachheit und Natürlichkeit verhelfen, die, gleichweit entfernt von Gassensprache wie von Papierdeutsch, die Freiheit einer feinern Umgangssprache mit der Gesetzmäßigkeit einer guten Schriftsprache vereinigt.