Um sie objektiv zu beurteilen, hätte man alle Geschichten, alle Denkwürdigkeiten, alle Zeitungen und alle handschriftlichen Aufzeichnungen lesen müssen, denn wenn man das Geringste ausließ, konnte daraus ein Irrtum entstehen, welcher eine endlose Reihe anderer nach sich zog. Sie verzichteten darauf.
Doch der Geschmack an der Geschichte war ihnen gekommen, das Bedürfnis nach Wahrheit um ihrer selbst willen.
Vielleicht ist sie leichter in den alten Zeiten zu entdecken? Wenn die Verfasser weit von den Dingen entfernt sind, können sie leidenschaftslos von ihnen sprechen. Und sie machten sich an den guten Rollin.
„Welch ein Wust von Albernheiten!“ rief Bouvard gleich beim ersten Kapitel.
„Warte ein wenig,“ sagte Pécuchet, während er unten in ihrer Bücherei wühlte, wo die Bücher des früheren Besitzers, eines alten Rechtsgelehrten, eines verrückten Schöngeistes, zusammengedrängt standen; und nachdem er viele Romane und Theaterstücke nebst einem Montesquieu und einer Horazübersetzung weggerückt hatte, erreichte er, was er suchte: das Werk Beauforts über die römische Geschichte.
Titus Livius schreibt die Gründung Roms dem Romulus zu. Sallust läßt diese Ehre den Trojanern des Äneas. Coriolan starb Fabius Pictor zufolge in der Verbannung, und wenn man Dionysius Glauben schenkt, durch die Listen des Attius Tullus. Seneka versichert, daß Horatius Cocles als Sieger zurückkehrte, und Dion, daß er am Beine verwundet war. Und La Mothe le Vayer äußert ähnliche Zweifel hinsichtlich der anderen Völker.
Man ist sich nicht einig über das chaldäische Altertum, das Zeitalter Homers, die Existenz Zoroasters, die beiden assyrischen Reiche. Quintus Curtius hat Märchen erzählt. Plutarch straft Herodot Lügen. Wir würden von Cäsar eine andere Vorstellung haben, wenn Vercingetorix dessen Kommentare geschrieben hätte.
Die alte Geschichte ist aus Mangel an Dokumenten dunkel. Die moderne dagegen ist überreich daran; — und Bouvard und Pécuchet machten sich wieder an die französische Geschichte, begannen Sismondi.
Die Aufeinanderfolge so vieler Männer machte ihnen Lust, sie genauer zu kennen, sich mit ihnen zu befassen. Sie wollten die Quellen studieren. Gregor von Tours, Monstrelet, Commines, alle die, deren Namen seltsam oder angenehm klangen.