Von jenem Tage an rezitierten sie vor Mélie und Gorju, während sie zugleich bedauerten, kein Salontheater zu haben.
Die kleine Magd belustigte sich dabei, ohne etwas zu verstehen, verdutzt über die Sprache, gefesselt durch das Summen der Verse. Gorju äußerte seinen Beifall bei den philosophischen Stellen der Tragödie und bei allem, was es für das Volk in den Melodramen gab! — derart, daß sie, über seinen Geschmack entzückt, daran dachten, ihm Stunden zu geben, um ihn später Schauspieler werden zu lassen. Diese Aussicht blendete den Handwerker.
Das Gerede von ihrer Betätigung hatte sich verbreitet. Vaucorbeil erzählte es ihnen in spöttelnder Weise. Allgemein verachtete man sie.
Sie stiegen dadurch in ihrer Selbstachtung. Sie weihten sich der Kunst. Pécuchet trug einen Schnurrbart, und Bouvard wußte nichts Besseres bei seiner runden Physiognomie und seiner Kahlheit, als „einen Bérangerkopf“ abzugeben.
Schließlich faßten sie den Plan, ein Stück zu schreiben.
Das schwierige war, einen Stoff zu finden.
Sie suchten während des Frühstücks darnach, und sie tranken Kaffee, die für das Hirn unentbehrliche Flüssigkeit, dann zwei bis drei Gläschen Schnaps. Sie legten sich auf ihrem Bette schlafen; darauf stiegen sie in den Obstgarten, schritten auf und ab, gingen schließlich aus, um draußen die Inspiration zu suchen, wanderten Seite an Seite und kehrten erschöpft heim.
Oder sie schlossen sich ein. Bouvard säuberte den Tisch, legte Papier vor sich hin, tauchte die Feder ein, und seine Augen blieben an der Decke kleben, während Pécuchet sinnend, mit ausgestreckten Beinen und gesenktem Haupte, im Sessel saß.
Zuweilen spürten sie ein Erschauern und etwas wie das Wehen eines Gedankens; im Augenblick, wo sie ihn fassen wollten, war er verschwunden.
Doch gibt es Methoden, um Stoffe zu entdecken. Man wählt aufs Geratewohl einen Titel, und ein Ereignis ergibt sich daraus; man entwickelt ein Sprichwort; man verschmilzt mehrere Abenteuer zu einem einzigen. Keines dieser Mittel führte zum Ziele. Sie durchblätterten vergeblich die Anekdotensammlungen, mehrere Bände berühmter Kriminalfälle, eine Menge Geschichten.