Diese Wissenschaft lehrt uns die Grundsätze, nach denen wir unser Handeln einzurichten haben.
Es hat zwei Motive: das Vergnügen und das Interesse; und ein drittes gebieterischeres: die Pflicht.
Die Pflichten zerfallen in zwei Klassen: erstens in solche gegen uns selbst, die darin bestehen, unsern Körper zu pflegen, uns vor allerlei Unbill zu schützen. Die Kinder begriffen das vollkommen. Zweitens in Pflichten gegen die andern, das heißt, man soll stets ohne Falsch, gütig und sogar brüderlich sein, denn das Menschengeschlecht bildet nur eine große Familie. Oft sagt uns etwas zu, das unsern Mitmenschen schadet; das Interesse ist vom Guten verschieden, denn der Begriff des Guten läßt sich auf keinen andern Begriff zurückführen. Die Kinder verstanden nicht. Er verschob die Strafen, die die Verletzung der Pflichten nach sich zieht, auf das nächste Mal.
Bei alledem habe er, so meinte Bouvard, das Gute nicht definiert.
„Wie willst du es definieren? Man fühlt es.“
Dann würden die moralischen Unterweisungen nur moralischen Leuten zukommen, und Pécuchets Vorlesung wurde nicht fortgesetzt.
Sie ließen ihre Zöglinge die kleinen Geschichten lesen, die darauf abzielen, Liebe zur Tugend zu erwecken. Sie langweilten Viktor tödlich.
Um seine Einbildungskraft anzuregen, hing Pécuchet an die Wände seines Zimmers Bilder, die das Leben des ordentlichen Menschen und das des liederlichen darstellten. Der erstere, Adolf, umarmte seine Mutter, lernte eifrig Deutsch, half einem Blinden und kam auf die polytechnische Hochschule.
Der liederliche, Eugen, fing mit Ungehorsam gegen seinen Vater an, hatte Streit in einem Café, schlug seine Frau, stürzte vollständig betrunken hin, zerschlug einen Schrank und ein letztes Bild zeigte ihn im Zuchthaus, wo ein Herr der von einem Knaben begleitet war, auf ihn weisend sagte:
„Hier siehst du, mein Sohn, die Gefahren eines schlechten Lebenswandels.“