Oft hatte er geäußert, daß dies Werk ihn töten würde, — und er behält recht. Einmal muß er die übermenschliche Anstrengung unterbrechen, um sich an den „Drei Erzählungen“ zu erholen. Dann aber hält er aus bis zuletzt.
In „Bouvard und Pécuchet“ legt Flaubert die Axt an die gesamte Geisteskultur seiner Zeit. So entsteht das radikalste Werk, das die moderne französische Literatur kennt. Ein Fragezeichen steht hinter allen Denkresultaten. Mit unheimlicher Lautlosigkeit stürzen Gedankenkatarakte in das Nichts.
Von schwindelnder Höhe zeigt er uns, ganz in der Tiefe, mit fast unwahrscheinlicher Deutlichkeit das koboldartige Treiben der Spießer. Und während er ihre winzigen Gestalten so saftstrotzend auf die Beine stellt, fallen ihre Schatten riesengroß in die Unendlichkeit des Weltenraums.
Er schuf in dieser eisigen Satire ein neues Genre: die Komik der Ideen. Systeme der Wissenschaft führen einen Faschingstanz auf, bis das Gebäude in Flammen steht und sie selbst mit in Rauch aufgehen.
Doch in diesem aus Glut und Eis gemischten Werke wollte Flaubert nicht etwa den Geist treffen, sondern all das Unzulängliche, Halbe, Platte, Gemeine, Muffige und Stickige seiner anmaßlichen, dünkelhaften Äußerung, kurz das, was er unter der „Dummheit des Spießers“ verstand, die er haßte mit dem Haß des Gequälten und die ihn doch wieder anzog in ihrer Monumentalität und Ungeheuerlichkeit.
Trotz der Grimasse ist kein Zweifel: hinter dem Werke steht ein unendlich großer, reicher, tiefer Mensch, der in seiner Größe das Werk noch weit überschattet.
Wenige Tage vor seinem Tode schreibt Flaubert seiner Nichte mit Beziehung auf „Bouvard und Pécuchet“: „Ich hatte recht!... Meine Auskunft stammt von dem Professor der Botanik am Botanischen Garten, und ich hatte recht, weil das Schöne immer das Wahre ist, und weil man sich in einem gewissen Stadium der Intelligenz (sofern man Methode hat) überhaupt nicht irrt. Die Wirklichkeit beugt sich zwar niemals dem Ideale, aber sie bestätigt es.“
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GUSTAVE FLAUBERT