Sie schmeichelten sich, Klarheit darüber zu erlangen, wenn sie die Entwicklung der Keime studierten, und Pécuchet schrieb an Dumouchel wegen eines Mikroskops.
Abwechselnd legten sie auf die Glasplatte Haare, Tabak, Nägel, einen Fliegenfuß; aber sie hatten den unerläßlichen Tropfen Wasser vergessen; dann wieder lag es an der kleinen Lamelle, und sie stießen sich, verrückten das Instrument; als sie schließlich nichts als Nebel wahrnahmen, wurde dem Optiker die Schuld gegeben. Es kamen ihnen zuletzt Zweifel am Mikroskop. Die Entdeckungen, die man ihm zuschreibt, sind wohl nicht so positiver Art.
Als Dumouchel ihnen die Rechnung übersandte, bat er sie, für ihn Ammonshörner und Seeigel zu sammeln; er sei ein Liebhaber solcher Merkwürdigkeiten, und diese kämen in ihrer Gegend häufig vor. Um ihr Interesse an der Geologie zu erregen, sandte er ihnen die „Briefe“ Bertrands mit den „Reden Cuviers“ über die Umwälzungen des Erdballs.
Als sie beide Bücher gelesen hatten, bildeten sich folgende Dinge in ihrer Einbildungskraft:
Zuerst eine ungeheure Wasserfläche, aus der die mit Flechten bedeckten Vorgebirge hervortauchten, und nicht ein Lebewesen, nicht ein Laut. Es war eine Welt des Schweigens, der Regungslosigkeit und Nacktheit; dann schaukelten sich lange Pflanzen in einem Nebel, der dem Dampf eines heißen Bades glich. Eine feuerrote Sonne überhitzte die feuchte Atmosphäre. Dann erfolgten Ausbrüche von Vulkanen, feurige Felsstücke stoben von den Bergen, und die Porphyr- und Basaltlava, die herabfloß, erstarrte. Drittes Bild: in Meeren von geringer Tiefe sind Koralleninseln über den Spiegel gewachsen; hier und da überragt sie eine Gruppe von Palmen. Da sind Muscheln, so groß wie Wagenräder, Schildkröten von drei Meter Umfang, Eidechsen von sechzig Fuß Länge; zwischen dem Schilf recken Amphibien ihren Straußenhals mit Krokodilsrachen; geflügelte Schlangen fliegen davon. Zuletzt erschienen auf den zusammenhängenden Landmassen die großen Säugetiere mit Gliedern, mißgestaltet wie schlecht behauene Holzstücke, mit einer Haut, dicker als Bronzeplatten, oder auch mit zottigem Fell, dicken Lippen, Mähnen und gekrümmten Hauern. Mammutherden weideten auf den Ebenen, die später das Atlantische Meer bedeckte; das Urwelttier, halb Pferd, halb Tapir, durchwühlte mit seiner Schweineschnauze die Ameisenhaufen von Montmartre, und der Cervus giganteus erzitterte unter den Kastanienbäumen beim Klange der Stimme des Höhlenbären, der den Hund von Beaugency, der dreimal so groß als ein Wolf war, in seiner Höhle bellen machte.
Alle diese Epochen waren voneinander durch Erdumwälzungen getrennt, deren letzte unsere Sündflut ist. Es war wie ein Feenstück in mehreren Akten, dessen Apotheose der Mensch war.
Sie waren starr, als sie hörten, daß es auf Steinen Abdrücke von Libellen, von Vogelfüßen gibt; und nachdem sie eines der Handbücher Rorets durchgeblättert hatten, suchten sie fossile Überreste.
Als sie eines Nachmittags auf der Landstraße Kiesel umwendeten, kam der Herr Pfarrer vorbei und redete sie mit süßlicher Stimme an:
„Die Herren befassen sich mit Geologie? Ausgezeichnet!“
Denn er schätzte die Wissenschaft. Sie bestärke das Gewicht der Schrift dadurch, daß sie die Sündflut beweise.