Sie mußte hinunter, mußte sich mit zu Tisch setzen.
Sie versuchte zu essen, aber sie brachte nicht einen Bissen hinunter. Sie faltete ihre Serviette auseinander, als ob sie sich die ausgebesserten Stellen genau ansehen wollte, und wirklich tat sie das und begann die Fäden des Gewebes zu zählen ... Plötzlich fiel ihr der Brief wieder ein. Hatte sie ihn oben fallen lassen? Wohin war er? Aber ihr Geist war zu matt, als daß sie imstande gewesen wäre, einen Vorwand zu ersinnen, um bei Tisch aufstehen zu können. Sie war feig geworden. Sie hatte Furcht vor Karl. Sicherlich wußte er nun alles, sicherlich! Und wahrhaftig, da sagte er mit eigentümlicher Betonung:
„Rudolf werden wir wohl nicht sobald wieder zu sehen kriegen?“
„Wer hat dir das gesagt?“ fragte sie zitternd.
„Wer mir das gesagt hat?“ wiederholte er, ein wenig betroffen von dem harten Klang ihrer Frage. „Na, sein Kutscher, dem ich vorhin vor dem Cafe Français begegnet bin. Boulanger ist verreist, oder er steht im Begriff zu verreisen ...“
Emma schluchzte laut auf.
„Wundert dich das?“ fuhr er fort. „Er verdrückt sich doch immer mal von Zeit zu Zeit so. Um sich zu zerstreuen. Kanns ihm nicht verdenken. Wenn man das nötige Geld dazu hat und Junggeselle ist ... Übrigens ist unser Freund ein Lebenskünstler! Ein alter Schäker! Langlois hat mir erzählt ...“
Er verstummte, aus Anstand, weil das Dienstmädchen gerade hereinkam. Sie legte die Aprikosen wieder ordentlich in das Körbchen, das auf der Kredenz stand. Karl ließ es sich auf den Tisch bringen, ohne zu bemerken, daß seine Frau rot wurde. Er nahm eine der Früchte und biß hinein.
„Ah!“ machte er. „Vorzüglich! Koste mal!“
Er schob ihr das Körbchen zu. Sie wehrte leicht ab.