Der Geistliche begnügte sich, einen Seufzer auszustoßen. Der Apotheker redete immer weiter:
„Und wie stehts mit der Bibel? Es wimmelt darin — Sie wissens ja am besten — von Unanständigkeiten und — man kann nicht anders sagen — groben Schweinereien ...“ Bournisien machte eine unwillige Gebärde. „Aber Sie müssen mir doch zugeben, daß das kein Buch ist, das man jungen Leuten in die Hand geben kann. Ich werde es nie zulassen, daß meine Athalie ...“
„Das sind ja die Protestanten, nicht wir,“ rief der Pfarrer ungeduldig, „die den Leuten die Bibel überlassen!“
„Das kommt hier nicht in Frage“, erklärte Homais. „Ich wundre mich nur, daß man noch in unsrer Zeit, im Jahrhundert der wissenschaftlichen Aufklärung, eine geistige Erholung zu verdammen sucht, die in gesellschaftlicher, in moralischer, ja sogar in hygienischer Beziehung die Menschheit fördert! Das ist doch so, nicht, Doktor?“
„Zweifellos!“ erwiderte der Arzt nachlässig. Entweder wollte er niemandem zu nahetreten, obgleich er dieselbe Ansicht hegte, oder er hatte hierüber überhaupt keine Meinung.
Die Unterhaltung war eigentlich zu Ende, aber der Apotheker hielt es für angebracht, eine letzte Attacke zu reiten.
„Ich habe Geistliche gekannt,“ behauptete er, „die in Zivil ins Theater gingen, um die Balletteusen mit den Beinen strampeln zu sehen.“
„Ach was!“ wehrte der Pfarrer ab.
„Doch! Ich kenne welche!“ Und nochmals sagte er, Silbe für Silbe einzeln betonend: „Ich — ken — ne — wel — che!“
„Na ja,“ meinte Bournisien nachgiebig, „die Betreffenden haben da aber etwas Unrechtes getan.“