Um zwei Uhr saßen Leo und Homais immer noch bei Tisch. Der große Saal des Restaurants leerte sich. Sie saßen am Ofen, der die Form eines hochragenden Palmenstammes hatte, dessen innen vergoldete Fächer sich unter der weißen Decke ausbreiteten. Neben ihnen, im hellen Sonnenlichte, hinter Glaswänden, sprudelte ein kleiner Springbrunnen über einem Marmorbecken. An seinem Rande hockten zwischen Brunnenkresse und Spargel drei schläfrige Hummern; daneben lagen Wachteln, zu einem Haufen aufgeschichtet.

Der Apotheker tat sich sozusagen eine Güte. Wenngleich ihn die Pracht noch mehr entzückte als das vortreffliche Mahl, so tat der Burgunder doch seine Wirkung. Und als das Omelett mit Rum aufgetragen ward, da offenbarte er unmoralische Theorien „über die Weiber“. Am meisten rege ihn eine „schicke“ Frau auf, und nichts ginge über eine elegante Robe in einem vornehm eingerichteten Raume. Was die körperlichen Reize anbelange, da sei viel Fleisch „nicht ohne“.

Leo sah verzweifelt auf die Uhr. Der Apotheker trank, aß und schmatzte weiter.

„Sie müssen sich übrigens ziemlich einsam fühlen hier in Rouen“, sagte er plötzlich. „Aber schließlich wohnt ja Ihr Liebchen nicht allzuweit.“ Da Leo errötete, setzte er hinzu: „Na, gestehen Sie nur! Wollen Sie leugnen, daß Sie in Yonville ...“

Der junge Mann stammelte etwas Unverständliches.

„... im Hause Bovary jemanden poussieren ...“

„Aber wen denn?“

„Na, das Dienstmädel!“

Es war sein Ernst. Aber Leos Eitelkeit war stärker als alle Vorsicht. Ohne sichs zu überlegen, widersprach er. Er liebe nur brünette Frauen.

„Da haben Sie nicht unrecht“, meinte der Apotheker. „Die haben mehr Temperament!“