„Er hat eine skrofulöse Affektion“, dozierte der Apotheker.

Obgleich er den armen Schelm schon längst kannte, tat er doch, als sähe er ihn zum ersten Male. Er murmelte etwas von Hornhaut, Star, Sklerotika, Facies vor sich hin. Dann riet er ihm in salbungsvollem Tone:

„Hast du dieses schreckliche Gebrechen schon lange, mein Sohn? Du solltest vor allem Diät halten, statt dich in der Kneipe zu betanken! Gut essen und gut trinken ist immer die Hauptsache.“

Der Blinde leierte sein Lied ab. Er war zweifellos geistig beschränkt.

Schließlich zog Homais seine Börse.

„Hier hast du einen Fünfer, gib mir einen Dreier wieder raus und vergiß nicht, was ich dir verordnet habe! Es wird dir gut bekommen!“

Hivert erlaubte sich, ganz laut die Wirksamkeit seines Rezepts zu bezweifeln. Da versicherte Homais dem Manne, lediglich eine „antiphlogistische Salbe eignen Fabrikats“ könne ihn heilen. Er gab ihm seine Adresse:

„Apotheker Homais, am Markt, allgemein bekannt!“

„So, nun zeig mal zum Dank den Herrschaften, was du Schönes kannst!“ rief ihm Hivert zu.

Der Blinde ließ sich in die Knie nieder, warf den Kopf zurück, rollte mit seinen grünlichen Augen und streckte die Zunge heraus. Dazu rieb er sich die Magengegend mit den Händen und stieß ein dumpfes Geheul aus wie ein halbverhungerter Hund.