Dann aber beherrschte er sich plötzlich:
„Ich habe gleich daran gedacht, eine Analyse zu machen, Herr Professor, und deshalb primo ganz vorsichtig in ein Reagenzgläschen ...“
„Dienlicher wäre es gewesen,“ sagte der Chirurg, „wenn Sie ihr Ihre Finger in den Hals gesteckt hätten.“
Kollege Canivet sagte gar nichts dazu, dieweil er soeben unter vier Augen eine energische Belehrung wegen seines Brechmittels eingesteckt hatte. Er, der bei Gelegenheit des Klumpfußes so hochfahrend und redselig gewesen war, verhielt sich jetzt mäuschenstill. Er lächelte nur unausgesetzt, um seine Zustimmung zu markieren.
Homais strahlte vor Hausherrenstolz. Selbst der betrübliche Gedanke an Bovary trug — in egoistischer Kontrastwirkung — unbestimmt zu seiner Freude bei. Die Anwesenheit des berühmten Arztes stieg ihm in den Kopf. Er kramte seine ganze Gelehrsamkeit aus. Kunterbunt durcheinander schwatzte er von Kanthariden, Pflanzengiften, Manzanilla, Schlangengift usw.
„Ich habe sogar einmal gelesen, Herr Professor, daß mehrere Personen nach dem Genusse von zu stark geräucherter Wurst erkrankt und plötzlich gestorben sind. So berichtet wenigstens ein hochinteressanter Aufsatz eines unserer hervorragendsten Pharmazeuten, eines Klassikers meiner Wissenschaft, ... ein Aufsatz des berühmten Cadet de Gassicourt!“
Frau Homais erschien mit der Kaffeemaschine. Homais pflegte sich nämlich den Kaffee nach Tisch selbst zu bereiten. Er hatte ihn auch eigenhändig gemischt, gebrannt und gemahlen.
„Saccharum gefällig, Herr Professor?“ fragte er, indem er ihm den Zucker anbot.
Dann ließ er alle seine Kinder herunterkommen, da er neugierig war, die Ansicht des Chirurgen über ihre „Konstitution“ zu hören.
Als Larivière im Begriffe stand aufzubrechen, bat ihn Frau Homais noch um einen ärztlichen Rat in betreff ihres Mannes. Er schlief nämlich allabendlich nach Tisch ein. Davon bekäme er dickes Blut.