„Sehn Sie nur!“ sagte die Witwe Franz seufzend, „wie reizend sie noch immer ausschaut! Man möchte drauf schwören, daß sie gleich wieder aufstünde!“
Dann beugten sie sich über sie, um ihr den Kranz umzulegen. Dabei mußten sie den Kopf etwas hochheben. Da quoll schwarze Flüssigkeit aus dem Munde hervor, als erbräche sie sich.
„Mein Gott! Das Kleid! Geben Sie acht!“ schrie Frau Franz. Und zum Apotheker gewandt: „Helfen Sie uns doch! Oder fürchten Sie sich vielleicht?“
„Ich mich fürchten?“ erwiderte er achselzuckend. „Nein, so was! Ich habe in den Spitälern noch ganz andres gesehen und erlebt, als ich Pharmazeutik studierte. Wir brauten uns unsern Punsch im Seziersaal! Der Tod erschreckt einen Philosophen nicht. Ich habe sogar die Absicht — wie ich schon oft gesagt habe -, meinen Körper der Anatomie zu vermachen, damit er dermaleinst der Wissenschaft noch etwas nützt.“
Der Pfarrer kam und fragte nach Karl. Auf den Bescheid des Apothekers erwiderte er:
„Die Wunde, wissen Sie, ist noch zu frisch.“
Darauf pries Homais ihn glücklich, weil er nicht darauf gefaßt zu sein brauche, eine teure Gefährtin zu verlieren, worauf sich ein Disput über das Zölibat entspann.
„Es ist unnatürlich,“ sagte der Apotheker, „daß sich ein Mann des Weibes enthalten soll. Manche Verbrechen ...“
„Aber, zum Kuckuck!“ rief der Priester. „Kann denn ein verheirateter Mensch das Beichtgeheimnis wahren?“
Nun griff Homais die Beichte an. Bournisien verteidigte sie. Er zählte ihre guten Wirkungen auf. Er wußte Geschichten von Dieben, die auf einmal ehrliche Menschen geworden wären. Sogar Soldaten seien, nachdem sie im Beichtstuhl ihrer Sünden ledig gesprochen, fromme Menschen geworden. Und in Freiburg sei ein Diener ...“