„Mir kommt sie noch ganz anders!“ meinte die Frau. „Ich habe weiter nichts zu tun, als sie immer wieder zu säubern. Wenn Sie doch so gut sein wollten und den Kaufmann Calmus beauftragten, daß ich mir bei ihm ein bißchen Seife holen kann, wenn ich welche brauche. Das wäre auch für Sie das bequemste. Ich brauche Sie dann nicht immer zu stören.“
„Meinetwegen!“ sagte Emma. „Auf Wiedersehn, Frau Rollet!“
Beim Hinausgehen schüttelte sie sich.
Die Frau begleitete die beiden bis zum Ende des Hofes, wobei sie in einem fort davon sprach, wie beschwerlich es sei, nachts so häufig aufstehen zu müssen. „Manchmal bin ich früh so zerschlagen, daß ich im Sitzen einschlafe. Drum sollten Sie mir ein Pfündchen gemahlenen Kaffee zukommen lassen. Wenn ich ihn früh mit Milch trinke, reiche ich damit vier Wochen.“
Nachdem Frau Bovary die Dankesbeteuerungen der Frau über sich hatte ergehen lassen, verabschiedete sie sich. Aber kaum war sie mit ihrem Begleiter ein Stück auf dem Fußwege gegangen, als sie das Klappern von Holzpantoffeln hinter sich vernahm. Sie drehte sich um. Es war die Amme.
„Was wollen Sie noch?“
Die Frau zog Emma bis hinter eine Ulme beiseite und fing an, von ihrem Manne zu erzählen. „Bei seinem Handwerke und seinen sechs Franken Pension im Jahre ...“
„Machen Sie rasch!“ unterbrach Emma ihren Wortschwall.
„Ach, liebste Frau Doktor,“ fuhr die Frau fort, indem sie zwischen jedes ihrer Worte einen Seufzer schob, „ich habe Angst, er wird böse, wenn er sieht, daß ich allein für mich Kaffee trinke. Sie wissen, wie die Männer sind ...“
„Sie sollen ja welchen haben, ich will Ihnen ja welchen schicken! Sie langweilen mich.“