Am Ende ließ man die mit Pfeilen gespickten Leichen stehen, die über den Gräbern wie rote Statuen ragten. Die Erregung ergriff selbst die Leute von Malka, die von der Urbevölkerung abstammten und in patriotischen Dingen sonst sehr gleichgültig waren. Aus Dankbarkeit für das Vergnügen, das man ihnen bot, nahmen sie jetzt am Glücke des Vaterlands Anteil und fühlten sich als Punier. Die Gerusiasten priesen ihre eigene Schlauheit. Sie wähnten durch diesen Racheakt das ganze Volk zu einer Einheit verschmolzen zu haben.
Auch der Segen der Götter fehlte nicht, denn aus allen Himmelsgegenden flogen Raben herbei. Sie kreisten mit lautem, heiserem Krächzen durch die Luft und formten eine ungeheure Wolke, die sich beständig um sich selbst drehte. Man sah sie von Klypea, von Rades und vom hermäischen Vorgebirge aus. Manchmal zerriß sie plötzlich, und ihre schwarzen Kreise zerstoben in alle vier Winde. Ein Adler war mitten in sie gestoßen. Bald flog er wieder weiter. Auf den Terrassen, den Kuppeln, den Spitzen der Obelisken und den Giebeln der Tempel, überall hockten große Vögel, Fetzen von Menschenfleisch in ihren geröteten Schnäbeln.
Des üblen Geruches wegen sahen sich die Karthager genötigt, die Leichen loszubinden. Eine Anzahl wurde verbrannt. Die übrigen warf man ins Meer, und die vom Nordwind gepeitschten Wogen schwemmten sie am andern Ende des Golfes vor Autarits Lager ans Gestade.
Dies Strafverfahren hatte die Barbaren ohne Zweifel in Schrecken versetzt, denn von der Höhe des Eschmuntempels sah man, wie sie ihre Zelte abbrachen, ihr Vieh zusammentrieben und ihr Gepäck auf Esel luden. Noch am Abend desselbigen Tages zog das ganze Heer ab.
Indem das Söldnerheer zwischen dem Berge der Heißen Wasser und Hippo-Diarrhyt hin- und hermarschierte, sollte es dem Suffeten die Annäherung an die tyrischen Städte unmöglich machen und ihm die Rückkehr nach Karthago verlegen.
Währenddem sollten die beiden andern Heere versuchen, Hamilkar im Süden zu fassen, und zwar Spendius von Osten, Matho von Westen her. Schließlich wollten sich alle drei vereinigen, ihn überraschen und einschließen. Da bekamen sie eine völlig unverhoffte Verstärkung. Naravas erschien wieder und zugleich dreihundert mit Erdpech beladene Kamele, fünfundzwanzig Elefanten und sechstausend Reiter.
Um die Söldner zu schwächen, hatte es der Suffet für angebracht erachtet, Naravas fern in seinem Gebiete zu beschäftigen. Hamilkar hatte sich von Karthago aus mit Masgaba verständigt, einem gätulischen Banditenführer, der sich ein Reich zu gründen suchte. Dieser Abenteurer hatte mit punischem Gelde und mit dem Versprechen, ihnen die Unabhängigkeit zu verschaffen, die numidischen Staaten aufgewiegelt. Doch Naravas, durch den Sohn seiner Amme benachrichtigt, war in Kirta eingefallen, hatte den Siegern das Zisternenwasser vergiftet, ein paar Köpfe abgeschlagen und die Ordnung wiederhergestellt. Nun kam er zurück, wütender auf den Suffeten als die Barbaren.
Die vier Heerführer verständigten sich über den Kriegsplan. Da der Krieg lange dauern würde, mußte alles vorgesehen werden.
Zunächst kam man überein, den Beistand der Römer anzurufen. Man bot diese Sendung Spendius an. Als Überläufer aber wagte er sie nicht zu übernehmen. Zwölf Männer aus den griechischen Kolonien schifften sich nun in Annaba auf einem numidischen Ruderboot ein. Sodann forderten die Führer von allen Barbaren den Fahneneid. Täglich hielten die Hauptleute Sachen- und Schuh-Appelle ab. Den Posten wurde der Gebrauch des Schildes verboten. Sie waren nämlich häufig an die Lanze gelehnt stehend eingeschlafen. Wer zu viel Habseligkeiten mit sich führte, hatte sich deren zu entledigen. Nach römischem Brauch mußte alles Gepäck auf dem Rücken getragen werden. Aus Vorsicht gegen die Elefanten errichtete Matho ein Kürassierregiment, das, Roß wie Reiter, vom Scheitel bis zur Sohle in nägelbeschlagener Nilpferdhaut steckte. Um auch die Hufe der Pferde zu schützen, flocht man ihnen Schuhe aus Spartofasern.