Hamilkar ließ auf der Stelle die Zeremonie des unlösbaren Verlöbnisses vollziehen. Man legte Salambo eine Lanze in die Hand, die sie Naravas reichte. Dann band man die Daumen der Verlobten mit einem Riemen aus Rindsleder zusammen und streute ihnen Korn auf die Häupter, das um sie her niederfiel und wieder aufsprang wie Hagelschlag.

XII

Die Wasserleitung

Zwölf Stunden später war von den Söldnern nur noch ein Haufen Verwundeter, Toter und Sterbender übrig.

Hamilkar war mit aller Gewalt aus dem Bergkessel hervorgebrochen, und zwar gegen den westlichen Abhang, der nach Hippo-Diarrhyt zu lag, in der Absicht, die Barbaren allesamt dahin zu locken, da dort mehr Raum war. Naravas hatte dann die gegnerischen Linien mit seiner Reiterei umgangen und von rückwärts attackiert, während der Marschall sie in der Front zum Wanken brachte und vernichtete. Übrigens waren sie durch den Verlust des Zaimphs schon im voraus geschlagen. Selbst die, die sich nie um ihn gekümmert hatten, ergriff ein Bangen und eine Art Entkräftung.

Hamilkar, der seinen Stolz durchaus nicht darein setzte, das Schlachtfeld zu behaupten, hatte sich nach seinem Siege auf die Höhen etwas nördlicher zurückgezogen, von wo aus er den Feind in Schach hielt.

Man erkannte die Grundrisse der Lager nur noch an den umgerissenen Pikettpfählen. Ein langer schwarzer Aschehaufen qualmte an der Stelle, wo das libysche Lager gestanden hatte. Der aufgescharrte Boden hatte wellenförmige Erhebungen wie das Meer, und die Zelte mit ihrer zerfetzten Leinwand hatten gewisse Ähnlichkeit mit zwischen Klippen gescheiterten und halb gesunkenen Schiffen. Lanzen, Heugabeln, Trompeten, Holz, Erz und Eisen, Getreide, Stroh und Kleidungsstücke lagen zwischen den Leichen herum. Hie und da glimmte ein verlöschender Brandpfeil neben einem Haufen von Gepäck. An manchen Stellen war der Boden mit weggeworfenen Schilden völlig bedeckt. Die Pferdekadaver sahen aus wie lange Reihen kleiner Hügel. Man erblickte Beine, Sandalen, Arme, Panzerhemden und Köpfe, auf denen durch die Schuppenketten der Helm noch festsaß und die wie Kugeln hinrollten. An den Dornsträuchern hingen Haare. Elefanten mit heraushängendem Eingeweide, ihre Türme noch auf dem Rücken, lagen röchelnd in großen Blutlachen. Überall trat man auf schlüpfrige Gegenstände und, obgleich es nicht geregnet hatte, in große Schlammpfützen.

Das Leichengewirr bedeckte den Berghang von oben bis unten. Die Überlebenden rührten sich ebensowenig wie die Toten. In großen und kleinen Gruppen herumhockend, blickten sie einander verstört an und sprachen kein Wort.

Jenseits der weiten Prärie blitzte der See von Hippo-Diarrhyt in der untergehenden Sonne. Rechts davon ragten enggedrängte weiße Häuser über einen Mauergürtel hinweg. Weiterhin dehnte sich endlos das Meer. Das Kinn in die Hand gestützt, gedachten die Barbaren seufzend ihrer Heimat. Eine graue Staubwolke sank herab.

Der Abendwind begann zu wehen. Die Menschen atmeten auf. Es ward kühler. Man konnte beobachten, wie das Ungeziefer die erkaltenden Toten verließ und über den warmen Sand lief. Auf hohen Steinblöcken saßen reglose Raben und lugten nach den Sterbenden.