„Laß mich ihn sehen!“ sagte der junge Mann, lachte und schüttelte den Kopf. „Derselbe

kann es wohl schwerlich sein, aber er erinnert mich an eine Geschichte, die ich mit einem Zinnsoldaten erlebte, als ich noch ein kleiner Knabe war!“ Dann erzählte er seiner Frau von dem alten Hause und dem alten Manne und von dem Zinnsoldaten, den er ihm hinübergesandt, weil er so erschrecklich einsam war. Er erzählte dies so anschaulich, als ob es sich erst jetzt vor ihren Augen zutrüge, so daß der jungen Frau über das alte Haus und dem alten Mann die Thränen in die Augen traten.

„Es ist gleichwohl möglich, daß es der nämliche Zinnsoldat ist!“ erwiderte sie. „Ich will ihn aufbewahren und alles im Gedächtnis behalten, was du mir erzählt hast. Aber das Grab des alten Mannes mußt du mir zeigen!“

„Ja, das kenne ich nicht,“ sagte er, „und niemand kennt es! Alle seine Freunde waren tot, niemand pflegte ihn, und ich war ja damals ein kleiner Knabe.“

„Wie entsetzlich einsam muß er doch gewesen sein!“ rief sie aus.

„Entsetzlich einsam!“ sagte der Zinnsoldat, „aber herrlich ist es, nicht vergessen zu werden!“

„Herrlich!“ rief etwas dicht neben ihnen, aber außer dem Zinnsoldaten sah niemand, daß es ein Fetzen der schweinsledernen Wandbekleidung war. Alle Vergoldung hatte er verloren, er sah wie nasse Erde aus, aber seine Ansicht hatte er sich doch bewahrt und er sprach sie aus:

„Vergoldung vergeht,
aber Schweinsleder besteht!“

Doch das glaubte der Zinnsoldat nicht.